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Neuss: Wo der Schütze andere Schützen trifft

Festwochenende im Krisen-Jahr in Neuss : Wo der Schütze andere Schützen trifft

Das Festwochenende Ende August im Krisenjahr 2020: Die Schützen feiern dezentral und gedämpft. Familientreffen statt Party.

„Drusus-Island“, der gastronomische Stadtstrand auf dem Hamtorplatz, legt eine Schützenfest-Pause ein. Die „Wunderbar“ und das „Marienbildchen“ an der Neustraße bleiben geschlossen. Betreiber Werner Galka konzentriert alle Kräfte auf dem Rennbahn-Gelände, wo er im „Strandgut“ im Zusammenspiel mit der Wetthalle über ausreichend Platz verfügt, um mehr als 300 Gäste auch unter strengen Corona-Abstands- und Hygieneregeln empfangen zu können – aber nur wer im Vorfeld einen Tisch reserviert hat, wird auch rein gelassen. Spontanbesuche sind ausgeschlossen, kündigt der Hausherr an.

Beim Schützenfest im Krisenjahr 2020 ist alles anders. Und doch: Die Züge feiern dezentral. Im privaten Garten. Auf der Terrasse des Tennisklubs. Im Vereinsheim der Kleingarten-Anlage. Im Wachlokal – aber unter freiem Himmel. Überdachte Räume sind weniger gefragt. Was zudem auffällt: Viele Gemeinschaften legen ihre Treffen als Familienfeste an. Keine wilde Partys am Abend und in der Nacht, dafür ruhige Zusammenkünfte mit Frauen und Kindern tagsüber.

 Alexander Bliersbach will den Drusushof Sonntag um 18 Uhr schließen.
Alexander Bliersbach will den Drusushof Sonntag um 18 Uhr schließen. Foto: Andreas Woitschützke

Viele Wirte sind unter den Corona-Vorzeichen mit den Buchungen leidlich zufrieden. Von einem Drittel der „üblichen Reservierungen“ spricht Thomas Krucza, Gastronom der Trafostation an der Deutschen Straße. Zudem sei der Aufwand groß, weil Umbuchungen an der Tagesordnung sind und auch die Teilnehmerzahlen immer wieder nach oben oder nach unten korrigiert werden. Sein Fazit: „Viel Arbeit. Wenig Geld.“ Aber auch wenn er „viel Luft nach oben“ bei der Auslastung ausmacht, jammert er nicht: „Wir sind ja halbwegs gebucht.“

 Werner Galka wird nur an der Rennbahn öffnen.
Werner Galka wird nur an der Rennbahn öffnen. Foto: Andreas Woitschützke

Auch bei Werner Galka klingt diese unaufgeregte Grundstimmung durch. Der erfahrene Wirt, der vor 20 Jahren die „Wunderbar“ eröffnete, lobt die Stadt und die Mitarbeiter der Verwaltung, die in diesen Pandemie-Zeiten „keine Verhinderer“ der gastronomischen Geschäfte seien. Im Gegenteil. Auf der Rennbahn wird fürs Essen ein Food-Truck mit Selbstbedienung stehen; sein Personal serviert gezapftes Fassbier.

Der Drusushof meldet spürbare Anmeldungen für gedämpftes Feiern am Schützenfest-Wochenende. Es werde keine Uniformen, keine Musik geben, kündigt Wirt Alexander Bliersbach an. Die Gäste hätten sich für tagsüber angekündigt. So plane er, am Sonntag um 18 Uhr das Lokal zu schließen. Es sei wichtig und richtig, die Schutzregeln einzuhalten. Darauf werde er achten.

Auf die Feierbremse tritt auch Ralf Albrecht, der zweite Vorsitzende des HTC Schwarz-Weiß Neuss. Das Clubhaus im Stadion erwarte am Wochenende zwar den einen oder anderen Zug, aber es werde keine Party geben.

Allen, die reservieren, sei bewusst, dass Geselligkeit nur mit großer Zurückhaltung und unter strengen Auflagen möglich sei. „Wir legen Wert darauf, dass alle Pandemie-Auflagen erfüllt werden“, erklärt Ralf Albrecht.