Neuss: Schützenkönig Bruno Weyand im Porträt

Der Schützenkönig von Neuss im Porträt: Karnevalsprinz trägt jetzt Königspurpur

Bruno Weyand vom Gildezug „Die Rheinstrolche“ war schon Gildekönig und Prinz Karneval. Jetzt ist er Schützenkönig.

Dienstagvormittag saß Bruno Weyand (63) auf dem Hometrainer und strampelte 30 Kilometer – für die Gesundheit. 24 Stunden später sitzt er vor dem Komitee und einer abzuarbeitenden Liste – fürs Brauchtum. Dazwischen liegen 24 aufreibende und aufregende Stunden und ein kurzer Moment der Ruhe. „Ich habe gesagt: Egal wie es ausgeht – nachts bekommst du noch ein kaltes Bier“, sagt Karin Weyand (57). Und das schenkt sie ihrem Mann Bruno nachts um kurz vor drei Uhr daheim in der eigenen Küche ein. „Prost, mein König“. Denn seit 18.56 Uhr am Dienstag ist er genau das: Schützenkönig von Neuss.

Die Entscheidung, auf den Königsvogel zu schießen, fiel vor drei Jahren bei einem Fackelbaurichtfest, das beide als Gilde-Königspaar besuchten. Der Ansage des Bankkaufmanns „Von jetzt an lasse ich keinen Vogel mehr aus“ folgte aber erst einmal eine Ansparphase. „Wir reden über den Gegenwert eines Golf“, deutet er den gesteckten Kostenrahmen für sein Königsjahr an. „Das will mit der Frau in Ruhe besprochen sein.“

Bruno und Karin Weyand waren 1987/88 Prinzenpaar in Neuss. Foto: Wolfgang Maes

Die ist ebenfalls vom Fach und hat den Umgang mit Geld bei der Sparkasse Büttgen gewählt. Und während der neue König dem Wechsel ins Rentner-Dasein entgegensieht, der zum Jahresanfang ansteht, fährt die Königin, die am 1. August auf eine 40-jährige Firmenangehörigkeit zurückblicken konnte, noch Tag für Tag zur Sparkasse – inzwischen nach Grevenbroich.

Auf der Arbeit hat sich das – kinderlos gebliebene – Paar kennengelernt, das alle Hobbies teilt. Das Reisen, die Fotografie und die Begeisterung für die Kicker von Borussia Mönchengladbach. Das heißt: Bei der Königin kommt noch das Motorradfahren hinzu – auf einer 600er Suzuki. Der Schützenkönig selbst dürfte die gar nicht fahren. „Ich habe nur den Führerschein Klasse sechs: Für Einkaufswagen und Sackkarre“, sagt er. Ein Auto zu fahren, musste er nie lernen.

Noch vor dem Jahr als Gilde-Königspaar, das beide in bester Erinnerung haben, waren sie in der Session 87/88 Prinz und Novesia der Stadt. Sie traten an als ihre Gesellschaft „Blau Rot Gold“ zwei mal elf Jahre alt wurde und ein närrisches Jubiläum feiern konnte. Die Freundschaft zu Luise und Hans-Josef Schliebs, der als Oberst in Erfttal ebenfalls ein Standbein im Schützenwesen hatte, brachte beide zu dieser Karnevalsgesellschaft.

Wie wichtig beiden Freundschaft ist, drückte sich in einer Geste auf der Festwiese aus: Nicht seine Zugkameraden vom Gildezug „Die Rheinstrolche“ trugen den neuen König auf den Schultern, sondern Baptist Müller-Loevenich von den Scheibenschützen und Dirk Seidel aus dem Jägerkorps. Der eine war Jakobuskönig, der andere Korpssieger der Jäger, als Weyand Gildekönig war. Seitdem ist das Trio unzertrennlich – und zusammen, wenn Samstag der König gekrönt wird.

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