Neuss Schützenfest: Das war die Königsparade 2017

Neusser Schützenfest: Die Königsparade als Blockbuster mit Hut und Holzgewehr

Das Neusser Schützenfest 2017 | Die Parade

Bei der Neusser Königsparade wird nur höchst ungern etwas dem Zufall überlassen. Fast alles läuft nach einem strikten Regieplan ab. Ob dieser Plan auch umgesetzt wurde? Ab auf die Kinosessel und zurücklehnen.

9.37 Uhr: Während die Putzfrauen im Rathaus noch feucht durchwischen, stellen sich die ersten Damen — allesamt stilecht mit feschen Hüten — im Foyer für ein Gruppenfoto auf. Gleichzeitig muss man auf der Hut sein, um nicht auf dem feuchten Boden auszurutschen.

10.06 Uhr: Ralf Berger steht auf dem Markt, schaut auf seine goldene Taschenuhr und sagt: "Man muss immer die Zeit im Blick haben". Berger ist so etwas wie der Musik-Regisseur in diesem Film. Er kontrolliert unter anderem, ob die richtigen Märsche gespielt werden.

10.20 Uhr: Das Regiment zieht auf. Die Grenadiere vorweg. So etwas wie der Vorspann des Blockbusters.

10.35 Uhr: Der Hauptdarsteller Christoph Napp-Saarbourg betritt die Szenerie am Rathaus-Set. An seiner Seite sind Filmstars wie Gesundheitsminister Hermann Gröhe und der chinesische Botschafter Shi Mingde. Kann losgehen.

11.20 Uhr: Das Regiment ist auf dem Markt. Die Reiter bilden den Abschluss — und das, obwohl sie die meisten Pferdestärken unter den Hintern haben.

11.28 Uhr: Oh, Mr. President. Thomas Nickel hält seine 17. und letzte Königsparaden-Rede und betont darin unter anderem: "Extremismus, Gewalt und Intoleranz haben in unserer Mitte keinen Platz." Gleich wird er auch zum letzten Mal als Präsident die Parade abnehmen. Wenige Minuten zuvor sagte Nickel — so etwas wie der Platzhirsch im Starensemble — im Gespräch mit unserer Redaktion: "Wäre die Königsparade ein Film, dann hieße er "Der Stern von Neuss". Das leuchtet ein.

12.21 Uhr: Das Intro des Films baute schon ordentlich Spannung auf. Nun nähert sich der Klimax: Das Regiment ist zur Parade angetreten. Christoph Napp-Saarbourg nimmt die Meldung entgegen. Durchatmen.

13.04 Uhr: Bei so einem Schauspiel darf ein gepflegtes Public Viewing nicht fehlen. Im Constantin-Koenen- und im Sels-Zimmer werden nicht nur reichlich Häppchen genascht. Die Menschen luken auch aus Fenstern — oder gucken die Übertragung im WDR.

13.26 Uhr: Zufriedenheit bei René Matzner nach seiner Königsparaden-Premiere als Jägermajor. Der erste Film ist immer der spannendste. Das sagte schon Hollywood-Star Jack Nicholson.

13.45 Uhr: Die Parade neigt sich dem Ende entgegen. Momentan sieht alles nach einem nahezu kitschigen Happy End aus.

14.04 Uhr: Die armen Reiter. Schon wieder sind sie die letzten. Ihr Trost: Nur die wahren Filmkenner bleiben so lange im Kino sitzen, bis auch der Abspann vorbei ist.

(jasi)
Mehr von RP ONLINE