Neuss: "Mit Petticoat und Holzgewehr" lautet der Titel der neuen Ausstellung im Schützenmuseum

Neue Ausstellung im Schützenmuseum Neuss : Feiern zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunder-Zeit

Die neue Ausstellung „Mit Petticoat und Holzgewehr“ zeigt die Entwicklung des Schützenfestes von den Trümmer- bis zu den Aufbaujahren.

Das Rheinische Schützenmuseum lässt mit der aktuellen Ausstellung „Mit Petticoat und Holzgewehr“ die Schützenfeste zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunderzeit lebendig werden. Bei der Eröffnung am Sonntagnachmittag im Innenhof der Museums freute sich Schützenpräsident Martin Flecken über zahlreiche Schützen und ihre Damen. Passend zur Ausstellung, denn der Petticoat sei ein Symbol für die „mitfeiernde Funktion“ der Damen und das Holzgewehr das der Friedenszeit nach dem zweiten Weltkrieg. Der amtierende Schützenkönig Bruno Weyand erinnerte in einer launigen Rede an seine Exkursionen zum Neusser Fackelzug mit der gesamten Familie.

Museumsleiterin Britta Spieß gab Erläuterungen zur Ausstellung, die sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian Frommert erstellt hatte. Mit dem Wissen von Jahren habe sie sie in zwei Wochen aufgebaut, verriet sie. Denn die meisten Exponate gab es bereits im Haus: Man musste sie „nur“ zeitlich richtig einordnen. Die Schau gliedert sich im zweiten Obergeschoss des Museums in Trümmer-, Zwischen-, Wunder- und Aufbaujahre. Ab 1947 gab es vorsichtige Versuche der Wiederbelebung und 1948 wieder ein „richtiges“ Fest.

Bis 1951 wurde der König mit einer Armbrust ermittelt – dieses Stück hat Britta Spieß geliehen. Die liebevoll zusammengestellten Ausstellungsstücke spiegeln die Zeit perfekt wider. Das zeigt sich beispielsweise an der Diskrepanz zwischen den gestellten Aufnahmen von Schützen im Sonntagsstaat mit entsprechendem Gesichtsausdruck, während die privaten Fotoalben das bunte Leben des Festes demonstrieren. Es gibt viel zu lesen – und natürlich Petticoats: Anita Hillemacher (81) hat zwei zur Verfügung gestellt. „Ich habe sie abwechselnd oder zusammen getragen“, erzählt sie beim Betrachten der dekorierten Puppe.

Noch wichtiger: „Ich habe sie beim Schützenfest vor 60 Jahren angehabt, als ich meinen Mann kennenlernte“, sagt sie strahlend. Entsorgt werden durften sie dann natürlich nicht mehr. Anita Hillemacher konservierte die rosa und weißen Röcke mit Mottenpulver. Museumsleiterin Britta Spieß nimmt gerne noch passende Exponate entgegen. Die Ausstellung „Mit Petticoat und Holzgewehr“ ist bis März 2020 an der Oberstraße 58 zu sehen.

(keld)
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