Neuss: Frisieren, schminken, ankleiden - so laufen die Ballvorbereitungen

Königstochter feiert bei der Schützenlust : So bereitet sich Lina auf den Ball vor

Der Schützenlust-Ball ist für die 22 Jahre alte Lina Martin etwas ganz Besonderes. Denn die Studentin ist in diesem Jahr auch Prinzessin, Tochter des Schützenkönigs. Wir haben Lina bei den Vorbereitungen beobachtet.

Vor hundert Jahren wurde die Monarchie in Deutschland abgeschafft. Mit Ausnahme von Neuss, denn dort regiert jedes Jahr ein anderer (Schützen)König. Hat er eine Tochter, so gibt es auch eine Prinzessin: Lina Martin heißt sie 2018 und ist die Tochter von Schützenkönig Georg I. Als Prinzessin gehört es natürlich dazu, einen Ball zu besuchen. Zwar war Lina im vergangenen Jahr schon beim Krönungsball dabei, doch erst jetzt ist sie richtig als Prinzessin unterwegs – und die NGZ begleitete sie zum Ball der Schützenlust in der Stadthalle.

Das schwarze Kleid hat die 22-jährige extra für den Ball gekauft. Foto: Georg Salzburg(salz)

Um 17 Uhr geht es bei „Königs“ – in diesem Falle bei Linas Mutter zu Hause in Gnadental, ihr Vater hat Lebensgefährtin Angelika Kunz an seiner Seite – so zu, wie sich das der gemeine Bürger vorstellt: Die Prinzessin (22) sitzt entspannt im Wohnzimmer und nippt am Sektglas. Mit dabei: Quirinus Kauffels (26), ihr Freund aus Kindertagen, der regelmäßig zum Schützenfest anreist. Steffi Beutler (24), eine Studienfreundin aus Vechta, leistet ebenfalls moralischen Beistand und feiert ihr erstes Schützenfest in Neuss – ein besonderes Erlebnis für die aus Ostfriesland stammende junge Dame. Prinzessin Lina, die im echten Leben in Essen Biologie studiert, blickt voller guter Erinnerungen auf das Schützenjahr zurück: „Ich habe mich in meiner Rolle sehr wohl gefühlt, viele nette Menschen und Einladungen erlebt“, sagt sie. Besonders freut sie sich für ihren Vater: „Er ist so glücklich dabei“, sagt sie.

Passt wie angegossen, der Traum in Schwarz. Foto: Georg Salzburg(salz)

Am Morgen hat sie die Königsparade auf dem Markt verfolgt – jetzt genießt sie die Zeit zu Hause und bereitet sich in Ruhe auf die lange Ballnacht vor. Gegen 19 Uhr stellt sich die Frage: Was isst eine Prinzessin vor einem Ball? Etwas Leichtes, beschließt Lina, und richtet für ihre Freunde und sich einen gemischten Blattsalat an. Ab 20.30 Uhr wird‘s richtig ernst, denn nun heißt die Devise: Kleider machen Leute. Während Steffi Beutler ein dunkelblaues langes Kleid wählt, hat sich Lina für ein bodenlanges schwarzes entschieden. „Ich habe es extra für heute gekauft“, verrät sie. Das doppellagige Kleid fällt weich fließend, ist ärmellos und am Hals mit Pailletten besetzt. Steffi schafft es, die unsichtbaren Häkchen am Rücken zu schließen – Lina dreht und wendet sich vor dem großen Spiegel im Schlafzimmer ihrer Mutter und ist zufrieden. Beinahe noch wichtiger als das Kleid sind die Schuhe, schließlich muss mit ihnen die Nacht durchtanzt werden. Lina schlüpft in schwarze hochhackige Ungetüme – „zehn Zentimeter Absatz und dreilagige Sohle mit Lustpolstern“ erklärt sie das Tragegeheimnis. Ansonsten gilt: „Eine Prinzessin kennt keinen Schmerz“, sagt sie und lacht. Einziger Schmuck: ein geerbter Ring ihrer Mutter. „Ich mag es mehr puristisch und schlicht.

Linas Begleiter an diesem Abend: ihr Schulfreund Quirinus Kauffels. Foto: Georg Salzburg(salz)

Ihre roten Haare hat sie an der Luft trocknen lassen, so dass ihre Naturlocken voll zur Geltung kommen. Mit ein paar Klämmerchen werden sie in Form gehalten. Jetzt fehlt nur das Make-up. Lina greift zu Lippenstift und Mascara und überprüft ihr Gesicht immer wieder im Spiegel. Derweil hat sich Quirinus Kauffeld, der an diesem Abend auch Linas Tischherr ist, mit einem blauen dreiteiligen Anzug plus hellblauem Hemd und roter Krawatte in einen schmucken Begleiter verwandelt. Gegen 21.30 Uhr schließlich sind alle drei fertig.

Klappt prima: Lina und Quirinus sind ein eingespieltes Tanzpaar. Foto: Georg Salzburg(salz)

Jetzt wird die Nachbarin bemüht, die die Fahrt zur Stadthalle übernehmen wird. Zurück wird es später per Taxi gehen. Lina freut sich sehr auf den Abend. „Das Musikrepertoire ist immer klassisch bis modern und gut ausgewogen“, sagt sie. Das gelte auch für das Publikum. Bis zu fünf Bands sorgen für ungetrübtes Tanzvergnügen- „und eine spielt immer bis vier Uhr“, weiß Lina. Bald ist sie keine Prinzessin mehr – aber sie freut sich schon auf das nächste Jahr, wenn sie ihrem Vater als „normalem“ Marschierer wieder Blümchen bringen kann.