Krönungsball für Neusser Schützenkönig und Hohen Reitersieger

Krönungsball für Neusser Schützenkönig und Hohen Reitersieger: Ein dicker Kuss für Schützenkönig Bruno II.

Krönungsball für König und Hohen Reitersieger beendet Schützenfest. „Rheinstrolche“ hadern mit Gastmarschierer auf dem Thron.

Kein Platz in den Cafes rund um den Markt war unbesetzt, als am Samstagabend noch einmal Trommelklang durch die Stadt rasselte. Durch diese Menge rollte, begleitet von den Chargen des Regiments, die Kutsche von Schützenkönig Bruno Weyand (63), der schon beim Heimgeleit nach dem Vogelschießen ein Bad in der Menge nehmen und feststellen konnte: „Die Begeisterung ist größer als beim Kappessonntagszug.“ Bruno II. und Ehefrau Karin (57) müssen es wissen, denn als Prinz Karneval und Novesia der Session 87/88 haben sie allein den direkten Vergleich.

Der Krönungsball am Samstag war das Tüpfelchen auf dem „i“ eines schönen Schützenfestes. Mittendrin: Das Hohe Reitersiegerpaar Bernd Claßen-von Ameln (44) und Ehefrau Astrid (41) sowie ein strahlendes und sichtlich bewegtes Schützenkönigspaar. Schönste Geste des Abends: Bevor mit dem Fahnentanz der Gilde der offizielle Teil zuende ging, gab Karin ihrem Bruno nach dem Ehrentanz, einem langsamen Walzer, noch auf der Tanzfläche einen dicken Kuss.

Einzug der „Offiziellen“: Hinter Bürgermeister Reiner Breuer und Ehefrau Ute schritten Schützenpräsident Martin Flecken und Ehefrau Gabriele durch das Spalier der Schützen. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

Etwas kühler war die Stimmung beim Gildezug „Rheinstrolche“, dem Königszug. Die Truppe um Oberleutnant Dirk Hambloch fremdelt mit ihrem Gastmarschierer auf dem Königsthron. Der unterrichtete sie erst über seine Ambitionen, als seine Bewerbung dem Komitee schon vorlag, ließ den Zug über Dritte wissen, dass er nach dem Königsjahr wohl zu den Scheibenschützen wechseln will und ließ die Kameraden, die ihn auf Schultern über die Festwiese tragen wollten, einfach am Schießstand stehen. Und als der Zug am Freitag die Residenz aufbaute, zählt Hambloch auf, ließ sich der König nicht blicken. „Wir lassen ihn natürlich nicht hängen“, sagt Hambloch. Begeisterung klingt anders.

Gut gelaunt im Zeughaus: die Hofstaatdamen. Foto: Christoph Kleinau
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Markus Jansen, Komiteekönig und Laudator des Abends, wusste nichts von solchen Hakeleien. Er stellte der hochfestlichen Krönungsversammlung den neuen Schützenkönig als Mann mit vielen Interessen und einer keineswegs gradlinigen Schützenkarriere vor. Die begann 1974 bei den Grenadieren, doch 1978 wechselte Weyand zur Gilde, wo er als Aktiver mehrfach und auch länger pausierte. Die Tatsache, dass Weyand über 5000 Biergläser gesammelt hat, verband Jansen mit dem Vorschlag, diese für eine Regimentsrunde zu füllen. Und dem Gladbach-Fan prophezeite er, dass die Borussia in dieser Saison gegen Fortuna Düsseldorf keinen Stich machen wird. „Wir haben den Düsseldorfern nämlich unseren besten Trainer ausgeliehen“ – Friedhelm Funkel heißt er.

Kurz und steil nannte Jansen die Schützenkarriere des Hohen Reitersiegers Bernd Claßen-von Ameln, der erst 2016 zum Reiterkorps stieß. Als Turnierreiter habe es Claßen bis Klasse M gebracht, sagte Jansen, der diese Feststellung hübsch veranschaulichen konnte: „Die Hindernisstangen liegen so hoch, dass unsere Altmajestäten Jakob Matheisen und Dieter Krüll selbst dann aufrecht unter ihnen hindurchlaufen können, wenn der eine den anderen auf die Schultern nimmt.“

Während aller Jubel den neuen Majestäten galt, wurde im Saal über Nachfolger debattiert. Bernd Herten (Grenadier) will schießen, wenn es die Gesundheit zulässt. Und auch mit Paul Neuhäuser (Schützenlust) muss man „in Bälde“, wie er sagt, rechnen. Die Spülmaschine, die seine Frau für ihre Zustimmung gefordert hat, ist längst angeschafft.

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