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Für Petra, Rainer, Marc und Dirk Halm ist fast das ganze Jahr Schützenfest: Kaum auf der Welt - schon passiver Schütze

Für Petra, Rainer, Marc und Dirk Halm ist fast das ganze Jahr Schützenfest : Kaum auf der Welt - schon passiver Schütze

Es ist wirklich kein Witz: Kaum hatten die Söhne das Licht der Welt erblickt, meldete ihr Vater sie bereits als passives Mitglied im Neusser Bürger-Schützen-Verein an. "Bevor sie getauft waren, waren sie Schützen", bemerkt der stolze Vater. Aber wen wundert's. Er selbst trat mit sieben Jahren in den Schützenverein ein und ist heute Hauptmann des Grenadierkorps - Rainer Halm. Gruppenbild mit Dame, einer Dame, die so leicht nichts aus der Ruhe bringen kann. Petra Halm mit ihren Männern: Grenadierhauptmann Rainer, Edelknabenkönig Dirk und Zugkönig Marc. Jedes Jahr im August dreht sich bei den Halms alles um zwei Schützenfeste - das Grimlinghausener und das Neusser. Doch auch der "Rest" des Jahres gehört oft dem Schützenwesen, zumal Rainer Halm auch Schriftführer des Neusser Grenadierkorps ist. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Es ist wirklich kein Witz: Kaum hatten die Söhne das Licht der Welt erblickt, meldete ihr Vater sie bereits als passives Mitglied im Neusser Bürger-Schützen-Verein an. "Bevor sie getauft waren, waren sie Schützen", bemerkt der stolze Vater. Aber wen wundert's. Er selbst trat mit sieben Jahren in den Schützenverein ein und ist heute Hauptmann des Grenadierkorps - Rainer Halm. Gruppenbild mit Dame, einer Dame, die so leicht nichts aus der Ruhe bringen kann. Petra Halm mit ihren Männern: Grenadierhauptmann Rainer, Edelknabenkönig Dirk und Zugkönig Marc. Jedes Jahr im August dreht sich bei den Halms alles um zwei Schützenfeste - das Grimlinghausener und das Neusser. Doch auch der "Rest" des Jahres gehört oft dem Schützenwesen, zumal Rainer Halm auch Schriftführer des Neusser Grenadierkorps ist. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Auch wenn der 43-Jährige seit 1986 in Grimlinghausen lebt, aufgewachsen ist er in Neuss "hinter der Bahn". 1965 wird er Mitglied der Edelknaben, marschiert dort so lange mit, bis es nicht mehr geht, das heißt, bis er zu alt ist. Danach muss er ein schützenfreies Jahr über sich ergehen lassen, denn für das Grenadierkorps, dessen Mitglied sein Vater Manfred seit 1949 ist, ist Rainer Halm noch zu jung. Das Eintrittsalter ist 16 Jahre. Die einjährige Durststrecke übersteht er aber gut und marschiert ab 1974 beim Grenadierzug "Immer treu" mit.

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Zwölf Jahre später gründet er mit Freunden einen neuen Zug - "Fetzige Nüsser". Dem tritt auch Vater Manfred bei. Bereits ein Jahr später ist Rainer Halm Oberleutnant. Und neun Jahre später wird er auf der Jahreshauptversammlung zum Hauptmann des Grenadierkorps gewählt. Zusätzlich übernimmt er noch das Amt des Schriftführers. Dass sich der private Veranstaltungs- und Urlaubskalender nach Schützenfest richtet, ist der Hauptmann gewöhnt. "Das war schon während meiner Kindheit so", erinnert er sich gut. Und seine Jungs lernen's auch nicht anders. Mit Marc und Dirk kommen ins Halmsche Heim erstmals Königswürden. Denn nicht nur Dirk macht als Edelknabenkönig von sich reden, auch Marc ist König, und zwar Zugkönig des Grenadierzuges "Hippelänger Pinguine".

Auch das haben die Söhne mit Vater Rainer gemeinsam: Alle drei marschieren nicht nur im Neusser Regiment, sie gehören auch zum Grimlinghausener, so dass es der August für die Halms wirklich in sich hat. Natürlich auch für Mutter Petra, die das Treiben ihrer Männer aber kräftig unterstützt, obwohl sie nicht aus einer Schützenfamilie kommt. 1996 fing Marc bei den Neusser Edelknaben an. Im vergangenen Jahr marschierte er das letzte Mal mit. Mit 13 Jahren ist er nun zu alt für die Knaben. Doch pausieren, wie es noch sein Vater musste, wird er nicht. Denn das Grenadierkorps wird in diesem Jahr zum ersten Mal sechs Ex-Edelknaben als Fähnriche beim Fahnenzug 1920 mitziehen lassen. Auch dürfen 14-Jährige erstmals in bestehenden Zügen des Korps mitmarschieren.

So wurde mit einer langen Tradition gebrochen, was - wie Rainer Halm bestätigen kann - nicht ganz ohne Widerstände über die Bühne ging. Wenn Marc, der die Realschule in Norf besucht und neben Schützenfest auch Fußball und Golf zu seinen Hobbies zählt, am Sonntag Vormittag über den Markt zieht, ist er bereits im Training, denn ein Schützenfest hat er dann schon "geschafft" - das in Grimlinghausen. Auch Bruder Dirk, wie sollte es anders sein, macht in seinem Heimatort das Schützenfest aktiv mit - bei den "Vereinigten Schützen" von 1906 ist er Königsbegleiter. Vater Rainer ist dort ebenfalls mit von der Partie. "Als ich 1986 nach Grimlinghausen zog, ist sofort ein Nachbar auf mich zugekommen und hat mir erklärt, ich müsse in den Verein eintreten, um Kontakt zu bekommen", berichtet der Hauptmann.

Doch zunächst wollte Rainer Halm nicht, da er mit Freunden gerade seinen neuen Zug in Neuss gegründet hatte. Dann allerdings entschied er sich, passives Mitglied zu werden. Mittlerweile marschiert er längst mit. Dirk ist erst seit zwei Jahren bei den Edelknaben. Treffsicher erwies er sich im vergangenen Jahr, als er beim zweiten Durchgang mit dem ersten Schuss den Vogel von der Stange holte. Der Jubel war groß, besonders bei der Oma, die vor Freude glatt von der Wiesen-Bank fiel. Seitdem hat der Neunjährige genauso viele Einladungen wie der Vater. Viele besuchen sie gemeinsam.

Mit dem Neusser Schützenpräsident Thomas Nickel war er "auf Schalke", was dem Fußballnarr natürlich besonders gefiel. Auch ein Training mit den Spielern von Borussia Dortmund stand auf dem Terminkalender des Juniors, der seinen eigenen unverwechselbaren Orden hat, aber selbst auch Orden verteilt. Edelknabenkönig - fast ein Fulltime-Job. Dabei gab es für den jungen Mann in diesem Jahr noch andere wichtige Ereignisse zu feiern. So wurde er mit seiner Mannschaft vom SC Grimlinghausen Neusser Stadtmeister und ging mit zur ersten Heiligen Kommunion. Auch Mutter Petra hat am Schützenfest-Sonntag einen Fulltime-Job zu erledigen: Bereits um sieben Uhr muss Dirk als "Jung-Fähnrich" beim Grenadiermajor Achim Tilmes sein, Edelknabenkönig Dirk hat um 7.50 Uhr am Rathaus zu erscheinen.

Sind die jungen Männer gut abgeliefert, heißt es für Petra Halm, Frühstück im Herz-Jesu-Heim für die Edelknaben zu bereiten, die nach der Messe hungrig dort einlaufen werden. Dann aber darf die 34-Jährige in Ruhe ihre Männer während der Parade begutachten - und zwar vom Rathausbalkon aus. Petra Halm ist mit Spaß bei der Sache. Schließlich wusste sie, auf was sie sich einließ, als ihr Rainer 1987 am Schützenfestmontag einen Heiratsantrag machte und sie ein Jahr später, ebenfalls am Schützenfestmontag, in Uniform vor den Traualtar führte. Getraut wurden die Halms in der Dreikönigen-Kirche vom damaligen Stadtdechanten Franssen.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch eins: die Schützenkönigswürde. Doch Rainer Halm schüttelt den Kopf. Zwei Mal hat er bereits auf das berühmte Holztier gezielt - 1990 und 91. Damals war er Anfang 30 und wäre sicherlich als der jüngste König in die Annalen des Bürger-Schützenvereins eingegangen. "Ich wollte mit meiner Bewerbung zeigen, dass wir jungen Leute keine Null-Bock-Generation sind und durchaus in der Lage, Verantwortung zu übernehmen", erklärt er. Doch ein Halm ist sich sicher, einmal auf den Vogel aller Vögel zu halten und ihn zu besiegen: Dirk, der das vergangene Jahr und das bevorstehende Schützenfest sicherlich nie vergessen wird. Anneli Goebels

(NGZ)