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Neuss: Fackelbauer bereit für den großen Zug

Neuss : Fackelbauer bereit für den großen Zug

Welche Fackeln sind fertig geworden, welche nicht? Bei der ein oder anderen Fackel lohnt sich ein genauer Blick.

Ein letzter Pinselstrich hier, die letzte Schraube festdrehen dort, dann sollte alles fertig sein. Einige Schützen trafen sich Donnerstag noch einmal am Gare du Neuss und legten Hand an die Fackeln. Die mussten schließlich bis zum Fackelzug heute Abend fertig werden. Denn wenn heute ab 20 Uhr Tausende am Straßenrand stehen, will sich kein Schützenzug die Blöße geben und mit einer unfertigen Fackel durch Neuss ziehen. "Wenn eine Fackel nicht fertig wird, dann geht man nicht mit", sagt Markus Vieten von der Schützengilde "Die Stifte".

Vieten und David Lemke gehörten am Donnerstag zu den Nachzüglern. "Wir müssen nur noch ein paar Striche malen", erklärt Vieten. Eigentlich hatten sie sich das Richtfest als Stichtag gesetzt, doch daraus wurde nichts. Dreimal pro Woche haben sich seit Pfingsten getroffen, um an der Fackel zu arbeiten.

Vielleicht hat die Detailverliebtheit ihnen einen Strich durch den Terminkalender gemacht. "Wir haben ein Zitat vom ,Titan' in der Fackel verbaut", sagt Vieten. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, sollte heute Abend den unteren Bereich der Figur genauer in Augenschein nehmen, empfiehlt er. Auch die Socken und die Krawatte sind einen genauen Blick wert — damit brachten die Schützen ihre Fußballleidenschaft auf Papier.

Einige Meter weiter sind die Fackeln zu sehen, die in ähnlicher mühsamer Arbeit rechtzeitig fertig geworden sind und für den Fackelzug bereitstehen. Zum Beispiel der eindrucksvolle Elefant von der Neusser Schützenlust oder die Fackel der Kameraden 57, die ein riesiges Transparent mit Airbrush bunt gemacht haben. Marcel Thomas, Stefan Pesch und Frederik Schreuer stehen an ihrem Wagen und erledigen die letzten Handgriffe. "Wir müssen noch sieben Tragefackeln bauen", sagt Marcel Thomas. Ansonsten sei alles fertig. Das Airbrush-Transparent habe ein Freund gemacht, der den Schützen bereits im vergangenen Jahr beim Fackelbau unter die Arme gegriffen hat. "Wir wollen mit Absicht rausstechen", sagt Stefan Pesch. Mit Ende 20 gehören die Drei zu den jüngeren Schützen. Die geringere Erfahrung machen sie mit mehr Kreativität wett.

Doch wer sind eigentlich die fleißigsten Fackelbauer? Die Frage kann nur Fackelhallen-Beauftragter Peter Ritters beantworten. Er ist Herr des Hallen-Schlüssels und weiß zu berichten, wer früh in die Halle kommt und wer es mit der Terminplanung nicht so genau nimmt: "Es kommt ja nicht nur auf das Tempo an, sondern vor allem auf die Qualität", sagt der Oberleutnant der "R(h)einrassigen" zunächst diplomatisch. Die Grenadiere lägen aber eigentlich immer gut im Zeitplan, verrät er dann doch noch.

28 Fackeln stehen unter seiner Obhut am Gare du Neuss. Damit sich niemand Zutritt verschafft, tauscht er jedes Jahr nach dem Schützenfest die Schlösser aus. Denn ab und an käme es vor, dass sich die Schützen nicht von ihren Fackeln trennen könnten und auch nach dem Schützenfest noch in der Halle mit dem ein oder anderen Bier feiern wollten. Er hat selbst 35 Fackeln gebaut und weiß, dass es manchmal knapp werden kann bis zum Fackelzug. Sein Ratschlag an alle Schützen, die in Zukunft dem Terminplan hinterherbauen: "Macht Eure unfertige Fackel zum Thema."

(NGZ)