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Engagement in Neuss: Schützen packen’s an

Engagement in Neuss : Schützen packen’s an

Ob Song-Contest, als Helfer oder in Neuss auf einer Mini-Kirmes: Schützen sind aktiv und immer da, wenn sie gebraucht werden. Ein Blick durch die Korps.

Das Schützenfest fällt auch in diesem Jahr aus. Das ist nichts Neues. Aber neu, zumindest aber ungewohnt, ist schon, was sich Korps oder auch einzelne Züge haben einfallen lassen, um die Schützen in Neuss erstens zu animieren und zweitens zu streicheln. Wir stellen eine Auswahl vor.

Schützenlust

Die Mitglieder des Zugs „Kettepöschkes“ (gegr. 1984), angeführt von Oberleutnant Markus Buffen, haben sich etwas Besonderes ausgedacht: Sie sammeln Songs ein. „Wenn wir schon nicht marschieren und ausgelassen feiern dürfen, dann können wir zumindest gemeinsam singen und im kleineren Rahmen feiern“, sagt Buffen. So entstand die Idee, einen eigenen Song über die Geschichte des Schützenzugs zu schreiben. Frank Heidemann, Gitarrist, Sänger und Mitglied bei den „Kettepöschkes“, setzte die Idee in die Tat um. „För Üch (Lieblingszog)“ heißt der in rheinischem Dialekt geschriebene Song, der von einem „Kettepöschke“ handelt. Das Musikvideo zum Song wurde im Brauerei-Ausschank „Im Dom“ aufgenommen und ist im Internet auf Youtube abrufbar unter www.youtu.be/pW9CdlFLhVo.

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Da der Song so gut ankam, schlägt der Zug einen „Neusser Schützensong-Contest“ vor. André Uhr, Major der Neusser Schützenlust, und Martin Flecken, Präsident des Neusser Bürger-Schützen-Vereins, unterstützen die Idee. Und so sammeln die „Kettepötsches“ Songs von Schützenzügen bis 30. November. Bis dahin nämlich werden sie noch angenommen (neusser-schuetzensongcontest@gmx.de). Teilnahmeberechtigt sind alle Züge, die 2021 aktiv beim Neusser Bürger-Schützen-Verein gemeldet sind oder die eine Teilnahme am Schützenfest 2022 planen. Eine Jury, unter anderem bestehend aus dem Präsidenten des Bürger-Schützen-Vereins, Martin Flecken, dem Major der Schützenlust, André Uhr, und dem Leiter der Further Musikschule, Peter Damaschke, wird die drei besten Einsendungen prämieren. Die Gewinner werden beim nächsten Bürger-Schützenfest ausgezeichnet und dürfen ihren Song dann auch auf einer Bühne live vortragen.

Bürger-Schützen-Verein

„Dein Schützenfest in allen Farben“ heißt das Motto eines Malwettbewerbs für Kinder und Jugendliche zwischen drei und 16 Jahren. Sie sollen, so lautete die Ausschreibung des Bürger-Schützen-Vereins, den Schützenumzug in ihrer Fantasie besonders prächtig durch Neuss ziehen lassen und davon möglichst bunte Bilder malen. In der ersten Augustwoche, direkt nach Ferienende, wurden die Gewinner in der jeweiligen Altersgruppe ausgezeichnet. Insgesamt wurden 2000 Euro vergeben. Die ausgezeichneten Bilder, über die eine Jury befand, werden im Übrigen auf dem Kubus des BSV auf dem Markt abgebildet.

 In der Altersklasse der 3- bis 5-Jährigen gewann Lotte (5). Bei den 6- bis 8-Jährigen siegte Milena (8), bei den 9- bis 12-Jährigen Clara-Sophie (10), bei den 13- bis 16-Jährigen war es David (14). Die Bilder sind zudem auf der Homepage des BSV zu sehen. Mehr als 200 Kinder und Jugendliche haben an dem Wettbewerb teilgenommen, und mehr als 4000 Stimmen wurden dazu abgegeben.

In ihren Reden bei der Übergabe der Preise auf dem Freithof, die gleichzeitig auch so was wie eine „Einweihung“ des Kubus vom Bürger-Schützen-Verein war, riefen Präsident Martin Flecken, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke, Stephan Lommetz, Michael Schmuck, Chef der Sparkasse Neuss, und Bürgermeister Reiner Breuer zum Impfen auf. Denn nur so könne man im nächsten Jahr „wieder das Erleben, was auf den Kunstwerken so schön dargestellt wird“, sagt Flecken.

Grenadierkorps

Für viele Neusser ist das Ahrtal eine Region, in der sie gern ihren Urlaub machen oder ein verlängertes Wochenende verbringen. „Dadurch sind auch einige enge Freundschaften entstanden“, sagt Rainer Halm, ehemaliger Vorsitzender des Neusser Grenadierkorps. Und so seien in der verheerenden Nacht vom 14. auf den 15. Juli, als die Wassermassen durch den Ort flossen, auch Neusser Grenadiere dort gewesen. Wieder in der Heimat, haben sie sich an den Vorsitzenden der dortigen Sankt-Sebastianus-Bürgerschützen-Gesellschaft Ahrweiler gewendet, und so hatten sich neun Grenadiere auf den Weg gemacht, um zu helfen. Ziel war das Ahrweiler Schützenmuseum, denn das sei, so erzählte Halm, in einem alten Fachwerkhaus mitten im Ort untergebracht. Zwei Meter hoch habe dort das Wasser gestanden. Und die Neusser Schützen machten sich an die Arbeit, umgeben von einem Geruch nach Modder und Fäkalien.

Königssilber, das in einem Tresor gelagert wurde, Protokollbücher aus den vergangenen 150 Jahren, Unterlagen und nicht zuletzt fünf historische Fahnen holten die Helfer aus dem Haus. Zum Teil natürlich beschädigt – wie die Fahnen. Untergebracht wurden viele der wertvollen Utensilien nun zunächst beim Chronisten des Vereins. „Wir konnten alles aus dem Museum herausholen“, teilte Halm mit. Und die Neusser wollen wiederkommen, nämlich dann, wenn das alte Haus von einem Statiker freigegeben worden ist und die Arbeiten innen losgehen können. „Wir kümmern uns um die Renovierung, haben Handwerker in unseren Reihen, das wird schon“, sagt Halm zuversichtlich.

Jägerkorps

Etwas für den inneren Zusammenhalt hat das Jägerkorps getan, als es zum „Jäger-Open-Air“ auf der Rennbahn rief, sodass fast nebenan die Pferdefreunde und solche, die es werden wollen, auf der Equitana den Marschklängen horchten und sich fragten, was unter den Zeltdächern unweit des Globe passierte: Gut 400 Jäger und deren Familienangehörige hatten nämlich das Angebot der Korpsführung unter René Matzner gern angenommen. „Unsere letzte Veranstaltung war die Jahreshauptversammlung im Dezember 2019“, sagte er. Und so bekam er eine Querflöte ausgeliehen und durfte das Bundestambourkorps „Alte Kameraden Würselen“ musikalisch verstärken. Für die Musiker war es übrigens der allererste Auftritt in diesem Jahr.

 Auch der Neusser Schützenkönig Kurt I. Koenemann mit Königin Beate, Präsident Martin Flecken und Ehefrau Gabi sowie Schützenmeister Achim Robertz ließen es sich nicht nehmen, dem Termin beizuwohnen. Am Schützenfest-Wochenende wollen einige der insgesamt 47 Jägerzüge unter sich feiern. Soweit es die Corona-Schutzverordnung zulässt.

Oberst Herten

Den Familienurlaub in Südtirol nutzte der designierte Oberst des Bürger-Schützen-Vereins, Bernd Herten, um seine Reitkenntnisse aufzufrischen. Eigentlich wäre der 50-jährige Neusser beim Oberstehrenabend in der Stadthalle endlich offiziell in sein Amt gewählt worden, aber Corona machte den Plänen erneut einen Strich durch die Rechnung. Also hatte Herten kurzerhand seinen Zug „Nix als Trabbel“ und das Komitee zum Grillen eingeladen. Da sowohl die Korpsführer als auch das Komitee ihn einstimmig nominiert haben und ihn unterstützen, nimmt er schon jetzt alle Aufgaben, die das Amt des Höchstchargierten im Neusser Regiment mit sich bringen, wahr – auch wenn die offizielle Wahl nach wie vor aussteht.

Auch als Sankt Martin hat der Grenadier sich schon als sattelfest erwiesen. Bis die Neusser ihren Oberst wieder öffentlich reiten sehen, dauert es vermutlich noch ein Jahr– beim Schützenfest 2022 wird er aber dann hoffentlich das erste Mal offiziell im Amt d‘r Maat erop reiten. Seine Schützenkarriere begann Herten bereits mit sieben Jahren, als er als Mitglied des Edelknaben-Korps startete. 1984/85 wurde er König dieses jüngsten Corps. Und 2015 und 2017 wagte er gar den Schuss auf den Königsvogel, unterlag aber den Königen Sassenrath und Martin. Die Enttäuschung war groß, aber inzwischen hat Herten seinen Frieden damit gefunden. Ob er auf der Festwiese noch einmal das Gewehr anlegen wird, ist noch offen und wird auch in der Familie entschieden.

Kirmes, Kirmes

Pop-up-Kirmes nennt sich das, was die Interessengemeinschaft (IG) der Schausteller im Rhein-Kreis Neuss auf dem Gelände des TÜV in Neuss auf die Beine gestellt hat. 90 Schausteller sind dort vertreten, mit Kinderfahrgeschäften und solchen für Erwachsene. Selbst das Riesenrad fehlt nicht. Novesia Funp Park nennt sich die Mini-Kirmes, er ist bis 29. August von 14 Uhr bis 22 Uhr geöffnet, sonntags bereits ab 12 Uhr. Am 27. August ist auch das traditionelle Feuerwerk geplant.