Neuss : Eine Stunde auf dem Riesenrad

Die Familie Bruch-Schneider ist seit 150 Jahren mit dem Riesenrad auf den Jahrmärkten in Europa vertreten. Ihr "Wonder Wheel" auf der Neusser Kirmes ist das erste Groß-Riesenrad mit mechanisch drehenden Gondeln.

Aus 45 Meter Höhe bekommen die Fahrgäste einen Blick über den Kirmesplatz und die Festwiese, sie sehen das Qurinusmünster und den Düsseldorfer Fernsehturm. "Von hier oben sehen die Menschen aus wie kleine Spielfiguren", meint Ricarda Dederichs. Die Siebenjährige sitzt mit ihrer zehnjährigen Schwester Corinna und Oma Marlis Übrick in der Gondel. Unten wartet der Opa, während sie drei Runden drehen. Die Großmutter besucht jedes Jahr mit ihren Enkelinnen die Kirmes. "Heute Morgen hatte ich Kopfschmerzen, aber wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, geht es mir gut", sagt die 71-Jährige. Beim Blick über den Kirmesplatz überlegen sie sich, welche Fahrgeschäfte sie noch ausprobieren wollen. Corinna sucht ein Kettenkarussell, das bei der Fahrt Wellen schlägt. Damit ist sie im vergangenen Jahr gefahren, jetzt findet sie es aber nicht. Da ist ihre Oma auch ganz froh drüber. "Die schlimmen Fahrgeschäfte macht sie am Montag mit ihrer Mutter und einer Freundin", sagt Übrick.

Clemens Hüsgen verbringt noch ein paar Stunden mit seinen Kindern Jonna (4) und Finn (7), ehe für das Bürger-Schützenfest beginnt. Er gehört dem Schützenlustzug "De Stoppetrecker" an, der sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Aus diesem Anlass bauten in diesem Jahr die Zugfrauen für ihre Männer die Großfackel. "Ich weiß nicht, wie sie aussieht. Es soll eine Überraschung sein", sagt Hüsken, der sich im Riesenrad nicht sehr wohl fühlt. "Ich habe Höhenangst. Es ist echt eine Qual für mich", sagt er.

Gleich drei Generationen in einer Gondel sitzen mit Opa Günter Hentschel, Tochter Angelika Bonekamp und Enkel Oliver (5). Die Familie unternimmt einen Ausflug zum Geburtstag von Oma Waltraud. Für seine Oma hatte der Fünfjährige natürlich auch ein Geschenk: "Er hat eine Eule gebastelt und einen Blumenstrauß reingesteckt", verrät Angelika Bonekamp. Bei der Fahrt im Riesenrad hält der Junge eine Spidermanfigur fest im Arm. Sie hat er beim Dosenwerfen gewonnen. Jetzt wünscht er sich noch einen Yoschi aus dem Computerspiel "Super Mario".

Schüler André Kaiser kennt viele Schausteller auf der Kirmes persönlich, denn sein Onkel gehört selbst zu der Riege, ist aber in Neuss nicht vertreten. "Vielleicht helfe ich dem ein oder anderen im Kassenhäuschen mal aus", sagt der 15-Jährige, der mit Angelo Winkler (15) über die Kirmes bummelt. Angelo lebt seit sechs Jahren in Holland und ist gerade zu Besuch. "Wenn wir uns treffen, gehen wir in die Stadt, machen lustiges Zeug und lachen uns einfach kaputt", sagt Winkler über die Freundschaft der beiden. Im Riesenrad genießen sie die ruhige Fahrt, anschließend soll es in der Raupe und im "Break Dancer" aber mehr Tempo sein.