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Bürger-Schützenfest: Ein Mann von Geist und Geld

Bürger-Schützenfest : Ein Mann von Geist und Geld

Heinz Welter überzeugte mit seiner Zog-Zog-Rede. Der ehemalige Sparkassen-Chef zeigte als Komiteemitglied bei der Bürgerversammlung auf, dass finanzielle und gesellschaftliche Investitionen ins Schützenfest Ertrag bringen.

Erfolg verpflichtet. Bereits drei Mal — zuletzt im Vorjahr — hatte Heinz Welter (65) als Zog-Zog-Redner überzeugende Argumente derart pfiffig-nachdenklich vorgetragen, dass am Ende ein einhelliges Votum stand. Auch am Samstag scharte der ehemalige Sparkassen-Chef als Komiteemitglied die knapp 400 Teilnehmer der Bürgerversammlung in der Stadthalle hinter sich, so dass die Kardinalfrage in ihren begeisterten Zog-Zog-Rufen unterging. Um 20.03 Uhr wurden aus Bürgern und Bürgerssöhnen wieder Schützen. Der Neusser Bürger-Schützen-Verein (NBSV) gründete sich in dieser Minute neu und damit steht fest: Er wird auch im 187. Jahr seines Bestehens das große Heimatfest feiern — und zwar zum Traditionstermin am letzten August-Wochenende (27. bis 31.).

Heinz Welter hatte wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Der einstimmige Beschluss ist der verdiente Lohn für eine starke Rede. 13 Jahre bis Silvester 2007 führte Welter als Vorstandsvorsitzender die Geschicke der Sparkasse Neuss; viele Jahre war er Schatzmeister des Komitees. So überraschte es nicht, dass der Mann von Geist und Geld den Blick in die klamme Stadtkasse zum Anlass nahm, für eine Austragung des Schützenfestes zu plädieren.

Allein die Summe des Schützensparens plus dem NBSV-Budget minus dem Aktivenbeitrag — der wird meist aus dem Schützensparen beglichen — ergibt stolze 1,5 Millionen Euro, die op de Dag ausgegeben werden. "Und das ist nur die Spitze des Eisbergs", zeigte sich Welter im Gespräch mit der NGZ überzeugt. Handel und Wirtschaft seien ebenso die Gewinner wie die Stadt (Imagezuwachs), ihre Bürger und die Schützen selbst, die alle vom sozialen Netzwerk und der Spaß an der Freud' profitierten. Wer in das Schützenwesen investiere, der investiere für die meisten Neusser und nicht nur eine kleine Zielgruppe.

Diesem Gedankengang folgten die Bürger und Bürgerssöhne, die von Bürgermeister Herbert Napp und den (männlichen) Mitgliedern des städtischen Hauptausschusses angeführt wurden. Napp zählte ebenso zu den Rednern wie Schützenpräsident Thomas Nickel. Der brachte die Nachricht mit, dass der WDR die Königsparade wieder live übertragen werde. Zudem sieht er in der neuen Fackelbauhalle an der Zufuhrstraße einen Impulsgeber. So lobte der Präsident die Schützenlust für 23 angekündigte Großfackeln — ein Rekordergebnis.

Seit 1996 gehört Heinz Welter dem Komitee an. Zuvor war er drei Jahre im Grenadierzug "Sportfreunde" marschiert, aus dem auch Präsident Nickel stammt. "Eine schnelle Karriere", sagt Welter rückblickend, "nicht weil ich durch besondere Schützenfähigkeiten aufgefallen bin, sondern weil ich als Sparkassen-Mann etwas von Geld verstehe". Ende 2011 läuft seine Amtszeit aus. Ob er dann noch einmal fürs Komitee kandidieren wird, lässt er offen. "Wählbar wäre ich noch", sagt er mit Blick auf sein Alter und spielt darauf an, dass in Neuss der Leitgedanke gilt: Wer das 70. Lebensjahr überschritten hat, kandidiert nicht mehr fürs Komitee. Welter: "Ich habe noch Zeit."

(NGZ)