Neuss: Das Königspaar braucht jetzt royale Kleider

Neuss : Das Königspaar braucht jetzt royale Kleider

Markus Reipen meldete sich spontan zum Königsvogelschießen. Zur Vorbereitung auf die Krönung bleiben ihm daher nur drei Tage.

Julia (16) und Marvin Reipen (9) wachten gestern in einer neuen Zeitrechnung auf: "Guten Morgen, Prinz und Prinzessin", weckte Markus Reipen (41) seine Kinder am Tag eins nach seinem Vogelschuss, der für ihn und Ehefrau Susanne (45) vor allem ein Tag voller Termine war. Denn weil er sich erst am Samstag spontan zur Bewerbung um das Königsamt der Neusser Bürger-Schützen beworben hatte, war der Stand der Vorbereitungen gestern gleich Null. Und geschlafen hatten beide auch kaum....

Das Neusser Schützenfest hatte für Markus Reipen immer eine besondere Bedeutung. Seit er 1982 in Grimlinghausen dem Tambourcorps "Rheinklänge" beitrat, zog er - erst mit der Trommel und zuletzt mit der Lyra - Jahr für Jahr über den Markt. Aber seit gestern steht für ihn fest: "Ab sofort sehe ich das Fest mit anderen Augen." Denn der Spielmann von einst, der sich im Jahr 2000 den Scheibenschützen anschloss, hatte in der Nacht das Heimgeleit für ihn, den neuen König erlebt: "Alle winken - als würde man sich schon lange kennen."

Eigentlich wollte Reipen, dass dieser Jubel seinem Vater Egon gilt. Dem wollte der Geschäftsführer eines Malerbetriebes in Mönchengladbach das Königsjahr zum 70. Geburtstag schenken. Aber die Sache lief anders als 1997 in Grimlinghausen, als der Sohn den Vater einfach als Königsbewerber anmeldete und dafür lieber das 25-jährige Bestehen des gemeinsamen Familienbetriebes ohne Feier vorüberziehen ließ. In Neuss geht das nicht, beschied ihm Scheibenschützen-Major Hans-Peter Zils. Der Vater müsse zustimmen. Das tat der nur unter der Bedingung, dass auch der Sohn antritt - und gemeinsam brachten sie die Doppelbewerbung ihren Frauen beim Fackelzug bei.

Susanne Reipen zuckte dabei mit keiner Wimper. Die gebürtige Mönchengladbacherin kennt das: "Bei uns wird manchmal ad hoc entschieden." Und ein Rückzieher ihres Mannes war sowieso unvorstellbar. Für den ist ein gegebenes Wort ein Versprechen. Handwerker-Ehrensache. "Verlässlichkeit ist wichtig", sagt der gelernte Maler.

So selbstverständlich wie dieses Prinzip ist für ihn der familiäre Zusammenhalt. Der litt zwar etwas, als Sohn und Vater in einem Betrieb zusammenarbeiteten, doch mit dem Abstand von ein paar Jahren, in denen Reipen junior eine Firma in Geilenkirche aufbaute, fanden Vater und Sohn auch beruflich eine neue Basis. "Ich finde es total klasse, mit Vater das Wochenende zu verbringen", sagt Markus Reipen überzeugt. Er war seinem Vater ins Tambourcorps gefolgt, der Vater ihm 2012 zu den Scheibenschützen.

Den Zusammenhalt dieser Gemeinschaft hat Markus Reipen immer geschätzt, seit dem Wochenende weiß er, dass er darauf auch bauen kann. "Die Kameraden nehmen mir wirklich alles ab", sagt Reipen, der davon profitiert, dass diese in früheren Jahren regelrecht Buch führten und dem neuen Regenten so einen "Fahrplan" an die Hand geben können. Ja, ein Kamerad stellte dem in Mönchengladbach lebenden künftigen König sogar sein Haus an der Krefelder Straße für den Krönungstag als Residenz zur Verfügung. Zum Herrenausstatter aber, wo Markus Reipen gestern für seine königliche Garderobe noch schnell Maß nehmen lassen musste, musste er dann doch alleine.

(NGZ)