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Neuss: Als König die Welt der Schützen neu entdeckt

Neuss : Als König die Welt der Schützen neu entdeckt

Über so manches in ihrem Regierungsjahr haben Jörg I. und Dorothee Antony gestaunt, aber die Zeit gemeinsam auch sehr genossen.

Sie kannten das Schützenfest aus der Perspektive ihres Zuges. Erst mit ihrer Krönung zum Neusser Königspaar verließen Jörg (47) und Dorothee Antony (46) den überschaubaren Rahmen der Zug- und Korpsveranstaltungen – und erschlossen sich eine bis dahin unbekannte Welt. "Es war unser schönstes gemeinsames Jahr", sagt Dorothee Antony deshalb schon jetzt, dabei kommt das Schönste doch erst noch: das Neusser Schützenfest mit ihnen an der Spitze.

Wer das Königspaar zuerst einlädt, der hat es exklusiv: Auf diese Regel hatten sich beide schon verständigt, lange bevor der Leutnant des Schützenlust-Zuges "Flaschenzug" mit seinem zehnten Schuss auf den Königsvogel an die Spitze der Neusser Schützen trat. Ein Termin-Hopping wollten sie sich und den Gastgebern nicht zumuten ("dann ist man überall und nirgendwo richtig"), sich andererseits aber auch die Freiheit nehmen, Einladungen dankend abzulehnen.

Trotzdem kamen sie während ihrer Regentschaft auf fast 200 Termine und genossen dabei gerade die, die sie so nicht auf der Rechnung gehabt hatten. Dass der König zum Appeltaatefest kommt, das wussten sie beispielsweise, doch dass er auch beim Neujahrsempfang der Evangelischen Kirchengemeinde gern gesehen ist, war ihnen neu. Und ihre Termine sorgen mitunter auch im Umfeld für Verblüffung. Zum Beispiel, als der Ingenieur bei Air Berlin seinen Vorgesetzten wissen ließ: "Ich komme morgen später, weil ich erst mit dem amerikanischen Botschafter frühstücke." Die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft hatte dieses Gipfeltreffen arrangiert.

"Mit Neugierde und mit Lust", so Jörg Antony, waren sie vor allem dort "kundschaften", wohin es den Schützen Antony in 30 Jahren beim Flaschenzug noch nicht "verschlagen" hatte. Und sie lernten so viel. Etwa dass der Hubertuszug "Quirinusritter" bei seiner Eierdiebtaufe Zugezogene rittlings auf diese Skulptur setzt, damit auch sie zu einem Bild kommen, das jeder Neusser seit Kindertagen haben muss. Oder dass Zugkrönungen manchmal zu festlichen Anlässen mit mehr als 200 Gästen werden.

"Das kannten wir so gar nicht", sagt Antony. Auch dass es eine "Adjutantengewerkschaft" gibt, die einmal im Jahr König und Korpsführer einlädt, war ihnen unbekannt. Allerdings führte das Königsamt Antony auch zum ersten Mal zur "Zog-Zog"-Versammlung und zu Patronatsfesten anderer Korps. Gerade das seien Highlights gewesen, sagt der König.

Angetreten war das Paar mit der Losung "Freude haben und Freude schenken", und es lernte, wie viele Neusser es gibt, die ihrerseits so denken. Schon alleine, dass sich jemand die Mühe macht, für die Königin ein Klassenfoto herauszusuchen, auf dem auch ihre Mutter zu sehen ist, fanden beide einfach nur bewegend.

Als Königsbewerber hatte sich Jörg Antony schon Ende 2011 gemeldet, allerdings wollte er nicht unbedingt schon im ersten Anlauf König werden. Angepeilt hatte er eigentlich dieses Jahr, um 60 Jahre nach seinem Großvater Erst Heitzmann König der Neusser Schützen zu sein.

Gleichwohl knüpft er an diese Familiengeschichte an, denn den Orden, der beim Juwelier Badort entwickelt wurde und den er an seinem Königsehrenabend verlieh, glich er sehr dem Vorbild des großväterlichen Ordens an: In der Form rund, umschlossen von einem Kranz und auch mit einem Flaschenzug auf dem dreigeteilten Avers – Symbol der Zuggemeinschaft, die mit Jörg Antony ihren ersten Neusser Schützenkönig hat.

(RP)