Neuss: Bürger an Windkraft beteiligen

Neuss: Bürger an Windkraft beteiligen

Im Streit um das Windkraft-Projekt im Neusser Süden wollen SPD und Grüne die Bürger mehr miteinbeziehen. Die Idee: Ein "Bürger-Windpark", der sich für die Anwohner auch finanziell lohnt. Das könnte Vorbehalte abbauen.

Mit Windkraft Geld verdienen — das sollen nach Willen von SPD und Grünen nicht nur die Neusser Stadtwerke, sondern auch die Anwohner. "Denkbar wären verschiedene Modelle", sagt SPD-Fraktionschef Reiner Breuer. Etwa über eine Genossenschaft, aber auch über eine Kostenbeteiligung an dem Projekt unter Stadtwerke-Führung. "Das könnte die Anwohner mit ins Boot holen", sagt Grünen-Sprecher Roland Kehl.

"Grundsätzlich vorstellbar"

Die Stadtwerke sind derzeit dabei, auf einem Areal im Süden von Hoisten auszuloten, ob dort ein oder mehrere Windräder gebaut werden können. "Die Variante eines Bürger-Windparks ist grundsätzlich vorstellbar", sagt Stadtwerke-Sprecher Jürgen Scheer. Noch stehe das Projekt ganz am Anfang, derzeit laufen die Vorbereitungen für eine Bürgerversammlung, bei der die Anwohner Anfang August über den aktuellen Stand der Planungen, die ein Investitionsvolumen von bis zu acht Millionen Euro umfassen, informiert werden sollen. Laut Scheer wäre es durchaus möglich, einen Teil der Summe über die Bürger zu finanzieren und ihnen dafür eine Rendite zu bieten.

Bürgerbeteiligung bei der Erneuerbaren Energie gibt es in Neuss bereits in Form der Bürgersolaranlagen. Bei der Windenergie sieht Roland Kehl ebenfalls Potenzial, "regionales Geld für regionale Wertschöpfung" zu verwenden. Soll heißen: Die Bürger investieren in die Windparkanlage, und werden dafür an den Erträgen beteiligt. "Das könnte Anreize schaffen, Vorbehalte abzubauen", meint SPD-Chef Breuer, der auf wirtschaftliche Eigeninteressen der Anwohner setzt.

Während SPD und Grüne die Pläne für ein großes Windkraft-Projekt befürworten, ist die CDU sich noch nicht einig. Während der Hoistener Stadtverordnete Karl Heinz Baum gegen die Pläne protestiert, will Fraktionschef Jörg Geerlings zunächst abwarten, "ob an besagter Stelle gebaut werden darf".

Eine Beteiligung über einen "Bürger-Windpark" sei eine denkbare Option, doch zunächst wolle seine Partei die geplante Informationsveranstaltung abwarten. Ganz und gar nicht begeistert von jeglichen Neusser Windkraft-Plänen ist indessen die FDP: "Kleinstanlagen in NRW halten wir für sinnlos", so FDP-Fraktionschef Heinrich Köppen, der die Windenergie nur auf See, also "Offshore", für ökonomisch und ökologisch sinnvoll erachtet.

Grünen-Sprecher Kehl allerdings warnt davor, den Faktor Windenergie "zu verschlafen". Noch sei eine Beteiligung der Neusser möglich. "Sobald externe Unternehmen Interesse anmelden, wäre diese Chance vertan", sagt Kehl.

(NGZ/rl)