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Neuss: Bühnenbildner des Lebens

Neuss : Bühnenbildner des Lebens

Der in Neuss lebende Künstler und Kunstpädagoge Armin Kaster schneidet aus einem Stück Pappe skurrile Werke, die er "LebensBühnenBilder" nennt. Sie entstehen intuitiv und bekommen dann erst eine Geschichte.

Ein Künstler, der nicht darauf aus, seine Werke zu verkaufen, sie nicht einmal in Ausstellungen präsentieren möchte – was sich nach Spleen und Extravaganz anhört, ist bei Armin Kaster Ausdruck einer inneren Haltung. Seit 15 Jahren erschafft der gebürtiger Wuppertaler, "LebensBühnenBilder" aus Pappe und hortet sie in seinem Haus. Rund 100, so schätzt der ausgebildete Maskenbauer und -schauspieler, dürften es wohl sein, aber er macht eben Kunst nicht, um zu leben, sondern weil sie "ein inneres Muss ist". Und dass er nun doch einige von ihnen herausgegeben hat, um die Ausstellung über Papiertheater im Clemens-Sels-Museum mit Zeitgenössischem zu ergänzen, ist denn auch einem Gefühl geschuldet: "Ich fand, das passte einfach."

Am Ende steht ein Buch

Was passte, war die Brücke über die RLT-Theaterpädagogin Stefanie Schnitzler zum Ausstellungskurator Thomas Ludewig, der Armin Kaster das Papiertheater näherbrachte und damit auch zur Erkenntnis verhalf: "Sie sind faszinierend, weil sie einen Mikrokosmos zeigen." Genau wie seine "LebensBühnenBilder", die zunächst ohne klaren Leitfaden entstehen, denen er aber nach der Fertigstellung eine Geschichte zuschreibt. Beim Schneiden der ersten geometrischen Form aus einer Pappe, beim Wiedereinfügen des Stücks an anderer Stelle (und jedes findet seinen Platz) folgt er "einem intuitiven Gedanken". Erst wenn zum Schluss das neue Werk eine Stimmung erzeugt, "in der ich die Welt schreibend betreten kann", wie Kaster es lachend formuliert, wachsen auch Geschichten auf dem Papier. So kommt Geschichte zu Geschichte – und am Ende sogar ein Buch heraus.

Gerade hat der 50-Jährige, der mit seiner Familie seit sieben Jahren in Neuss wohnt, seinen vierten Roman für den Kinder- und Jugendbuchbereich geschrieben. Denn Kaster ist nicht nur Bildender Künstler, sondern auch Buchautor, Kunstherapeut und "Kreativer Supervisor", arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – und möchte nichts von alldem missen. "Alles inspiriert mich und ist miteinander verwoben", sagt er.

Bis 2005 aufgetreten

Angefangen hat Kaster mit Wirtschaftswissenschaften und Sozialpädagogik (Schwerpunkt: Medien). Aber noch als Student ist der diplomierte Sozialpädagoge 1996 bei einem der Großen unter den Maskenbauern in die Lehre gegangen; Harald Klemm. Danach hat er für das Bread & Puppet Theatre (Vermont, USA) und das Figurenkolleg Bochum gearbeitet.

Noch bis 2005 ist er immer wieder mit dem (Masken-)"Theater Leichtsinn" aufgetreten, aber irgendwann hat er gemerkt, dass er lieber "selbst beobachtet als beobachtet wird". Rund 400 Masken, so schätzt er, wird er in dieser Zeit wohl mit seinen Händen geformt haben.

(NGZ)