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Neuss: Büffeln in der Zirkusschule

Neuss : Büffeln in der Zirkusschule

Josy, Renado und Tayrone sind Artisten des Zirkus Salto, der in Reuschenberg seine Zelte aufgeschlagen hat. Dort müssen die Geschwister auch die Schulbank drücken – zwei Mal in der Woche gehen sie in die "Circusschule NRW".

Josy, Renado und Tayrone sind Artisten des Zirkus Salto, der in Reuschenberg seine Zelte aufgeschlagen hat. Dort müssen die Geschwister auch die Schulbank drücken — zwei Mal in der Woche gehen sie in die "Circusschule NRW".

Während sich viele ihrer "Kollegen" gerade Rom anschauen, müssen sie lernen, trainieren, Tiere versorgen. Josy, Renado und Tayrone Köllner gehören zum Familienzirkus Salto. Die drei Geschwister sind noch schulpflichtig und werden in der "Circusschule NRW" unterrichtet — zwei Mal pro Woche, jeweils sechs Stunden. In dieser Woche allerdings nicht, denn Lehrer Franz Bork ist mit anderen Zirkuskindern auf Klassenfahrt in Rom.

Die Köllner-Kinder konnten nicht mitfahren, denn die Winterpause ist gerade zu Ende, am Freitag beginnen die Vorstellungen in Reuschenberg. Da gibt es noch viel zu tun, zum Beispiel täglich trainieren. Denn alle sind im Programm eingebunden. "Angefangen mit dem Training haben wir mit fünf Jahren", sagt die 15-jährige Josy. Sie ist Bodenakrobatin, ihr Wunsch ist, einmal "in die Lüfte zu gehen". Ihre Brüder Tayrone (14) und Renado (9) stehen als Clowns in der Manege. In Neuss sind die drei zum ersten Mal, Vater und Zirkusdirektor Bernhard nicht. Doch er erinnert sich nicht mehr. In Neuss wurde er nämlich während eines Gastspiels geboren. Auch Josy, Tayrone und Renado haben unterschiedliche Orte in ihren Geburtsurkunden stehen wie ihre drei älteren Geschwister auch, die alle im Zirkus Salto auftreten.

Erst seit zwei Jahren besuchen die Köllners die Zirkusschule, vorher gingen Josy und Tayrone jede Woche in eine andere Schule. Schlimm fanden die beiden das auch nicht. "Wir kannten es ja nicht anders", sagt Josy, aber mit dem Schul-Wohnwagen sei es schon besser. Mathe, Deutsch, Englisch, Religion und Kunst stehen auf dem Stundenplan. Sport haben sie täglich beim Training. Zwölf Stunden Unterricht in der Woche und dazu jede Menge Hausaufgaben — doch den drei macht's Spaß in der Minigruppe. So kann Lehrer Bork auf jeden einzelnen intensiv eingehen, was er auch muss angesichts des Altersunterschieds. Fragen können die Schüler auch immer per Mail stellen. Unterrichtsfreie Zeit ist dann, wenn auch die anderen Ferien haben. Während der Winterpause, die auch mal einige Monate dauern kann, läuft der Unterricht natürlich weiter.

Diese Pause finden die drei ziemlich langweilig. Denn sie wollen auftreten. Wohnen in einem Haus, einen anderen Beruf lernen und dem Zirkusleben ade sagen — Renado schüttelt vehement den Kopf. Auch die Geschwister gucken skeptisch. Das können sie sich nicht vorstellen. Vor 14 Jahren gründete Vater Bernhard seinen eigenen Zirkus. Er zeigt heute eine Pferdedressur, Mutter Karola führt durch das gut zweistündige Programm. 21 Artisten treten im Zirkus Salto auf und 50 Tiere. Raubtiere sind nicht dabei.

(NGZ/rl)