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Neuss: Büchel-Arkaden fast verwaist

Neuss : Büchel-Arkaden fast verwaist

"Einkaufen und Bummeln in den Büchel-Arkaden" steht auf den Glastüren. Doch wirklich einkaufen kann dort niemand mehr. Denn bis auf eins sind alle Ladenlokale leer. Der Immobilienverwalter sucht einen Ankermieter.

Ibrahim Bozkir hat Humor, zurzeit mehr Galgenhumor. Der 49-jährige Schuhmacher arbeitet zwar mitten in der Innenstadt, doch da sehr einsam. Denn sein 18 Quadratmeter kleiner Laden ist der einzige, den Kunden in den Büchel-Arkaden noch aufsuchen können — und das auch nur, wenn sie ein ganz spezielles Problem haben, denn der Weckhovener hat einen Schuhreparatur- und Schlüsseldienst. Bis Ostern waren sie noch zu dritt. Doch dann schloss die Pizzeria, weil es, so steht es auf einem Zettel an der Eingangstür, "Unstimmigkeiten mit dem Vermieter" gegeben habe, vor einem Monat schloss auch Saskias Wachs- und Wohlfühloase. Und Bozkir? Er will auf Dauer auch nicht bleiben, sucht nach Alternativen. "Zwar hat mir meine Stammkundschaft die Treue gehalten, doch ich bin auch auf Laufkundschaft angewiesen", sagt er und ist auch ein wenig traurig. Immerhin ist der gebürtige Türke seit 1998 in den Arkaden.

Foto: Woitschützke, Andreas

"Wir möchten das Konzept ändern", sagt Alexandra Cusack von der Münchner F & C Reit Asset Managment GmbH, die für die Eigentümerin "Eagle 18 Immobilien-Verwaltungs GmbH", die Verwaltung des Objektes übernimmt. So werden vorzugsweise nur zwei Mieter gesucht, ein großer "und ein kleiner dabei", sagt Cusack. Und das sei schwer. Mehrere, darunter die Modekette C&A oder Strauss Innovationen seien wieder abgesprungen. Der Grund? "Die langezogene Fläche oder eben schließlich der Standort an sich", erklärt Cusack. "Wir stehen in den Startlöchern. Wenn wir einen großen Mieter haben, können die Umbauarbeiten sofort beginnen", fährt sie fort. Wann das sein könnte, darüber möchte sie nicht spekulieren.

Christoph Napp-Saarbourg, Vorsitzender der Zukunftsinitiative Innenstadt, sieht den langen Leerstand mit Bedauern. Seiner Meinung ist der Durchgang nicht mehr zeitgemäß. "Das Ganze müsste neu überdacht werden", findet er. Astrid Westermann, SPD-Fraktionsgeschäftsführerin, ist zudem der Ansicht, dass nur ein attraktiver Ankermieter die Passage retten kann, denn "die Zeit der kleinteiligen Arkaden ist längst vorbei", sagt sie und fügt hinzu: "Die Leute wollen großzügiger einkaufen." Allerdings sieht sie nicht nur den Eigentümer gefordert, sondern auch die städtische Wirtschaftsförderung. Die CDU-Stadtverordnete Helga Koenemann kann den Leerstand an dieser Stelle nicht nachvollziehen. "Der Markt, der Platz am Romaneum und der Hauptstraßenzug haben sich doch wunderbar entwickelt. Warum keiner in die Büchel-Arkaden möchte, ist mir ein Rätsel", sagt sie.

Ibrahim Bozkir hält derweil die Stellung, freut sich über jeden Kunden, und schaltet, wenn's ihm zu einsam und ruhig wird, einfach das Radio ein.

(NGZ/ac)