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Rhein-Kreis Neuss: Brustkrebs-OP mit Bestrahlung

Rhein-Kreis Neuss : Brustkrebs-OP mit Bestrahlung

Während der Operation den Ort des Tumors gezielt bestrahlen: Diese Technik wird jetzt am Brustzentrum des Rhein-Kreises angeboten. Präzision heißt auch: Das Wiederauftreten des Tumors wird weniger wahrscheinlich.

An die neue Methode mit den vier Großbuchstaben IORT, die für intraoperative Bestrahlung stehen, knüpfte die Patientin große Hoffnungen. "Ich habe gebetet, dass ich die Chance habe, dabei zu sein", schilderte sie gestern die Tage zwischen dem Zeitpunkt, an dem sie die Diagnose Brustkrebs bekam, und der Operation selbst. Diese Gebete zumindest wurden erhört und die Frau am Brustzentrum des Johanna-Etienne-Krankenhauses derart behandelt.

Sie gehört zu einem noch sehr kleinen Kreis von Frauen, doch der wird wohl rasch größer werden. Denn die Erfahrungen der Ärzte mit IORT sind durchweg gut. Die Eingriffe seien völlig komplikationslos verlaufen, bilanziert Dr. Georg Unruh, Oberarzt am Johanna-Etienne-Krankenhaus. "Auch der postoperative Verlauf und das kosmetische Ergebnis sind sehr gut."

Preiswerter werden die Operationen von Brustkrebspatientinnen mit IORT nicht, kürzer auch nicht. Trotzdem haben die Träger des Brustzentrums im Rhein-Kreis, zu dem neben dem "Etienne" auch das Grevenbroicher Kreiskrankenhaus St. Elisabeth gehört, rund 750 000 Euro investiert. Ausschlaggebend seien die Vorteile für die Patientinnen gewesen.

Neu an dem Verfahren ist, dass schon während der Operation eine kurzzeitige Strahlentherapie vorgenommen wird. Und zwar in die offene Wunde hinein. Das schafft erstmals die Möglichkeit, so betont Dr. Katrin Hamburg, Strahlentherapeutin am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Lukaskrankenhaus, "dass das ehemalige Tumorbett ganz erfasst wird." Ärzte aus diesem Team sind deshalb unmittelbar im Operationssaal dabei.

Die direkte Bestrahlung schließt Ungenauigkeiten aus, die früher nicht zu vermeiden waren. Da wurde die Lage des entfernten Tumors zwar mit kleinen Metallclips markiert, erinnert Dr. Matthias Korell vom "Etienne", Chefarzt und Leiter des Brustzentrums, doch konnte nicht immer verhindert werden, dass sich beim Wiederaufbau der Brust mit anderem Gewebe etwas verschob.

Ein Vorteil von IORT ist, dass sich die anschließende Strahlenbehandlung der Brust, die noch immer obligatorisch ist, verkürzt. Von fünf bis acht Bestrahlungen weniger ist die Rede. Die Hoffnung ist, dass diese postoperative Strahlentherapie den Patientinnen irgendwann ganz erspart werden kann.

Größere Präzision heißt aber auch, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Tumorbildung in der Brust reduziert. Doch selbst wenn das nicht immer gelingen sollte, bleibt die Hoffnung, dass auch bei einer erneuten Operation die Brust nicht entfernt werden müsste. Bislang war das so, weil die Strahlenbelastung durch eine erneute Strahlentherapie zu groß war, sagt Korell. "Wir wollen uns an Studien dazu beteiligen."

(NGZ)