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Neuss/Dormagen: Brudermeister hilft Süchtigen

Neuss/Dormagen : Brudermeister hilft Süchtigen

Der Leiter des alkoholfreien Zentrums der Neusser Caritas, Manfred Klein, hat als Brudermeister der St.-Hubertus-Bruderschaft in Horrem durchaus Verständnis für den Alkoholkonsum zum Schützenfest.

Keine Frage — es ist ein Spagat zwischen Abstinenz und Alkoholtoleranz. Manfred Klein schafft ihn seit 17 Jahren. Damals übernahm der studierte Sozialpädagoge die Leitung von "Ons Zentrum" an der Jülicher Straße, heute im Caritas-Quartier an der Rheydter Straße.

Diese Einrichtung der Caritas hilft suchtkranken Menschen, dauerhaft abstinent zu bleiben. Das gilt auch für Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. "Wir zeigen den Betroffenen Wege auf, wie sie dauerhaft ein zufriedenes Leben ohne Alkohol und/oder Medikamente führen können", erläutert Klein das Konzept.

Der erste Grundsatz dabei ist: "Abstinent bleiben." Der zweite: Hilfe suchen, in Gesprächen — zum Beispiel mit Betroffenen oder Therapeuten — die aktuelle Situation besprechen und nach Lösungen suchen. Im dritten Schritt werden schließlich Alternativen zur Sucht gesucht, die früher den größten Teil des täglichen Lebens bestimmte. Auch dabei bietet das Zentrum mit rund 24 000 Besuchern im Jahr eine Menge Anregungen von der sportlichen Betätigung bis zum künstlerischen Ausdruck.

Das ist die berufliche Welt des 47-Jährigen, die ihm längst zur Berufung geworden ist. "Hier kann ich offen mit Menschen über ihre Probleme und ihre Lebensgeschichte sprechen und ihnen gezielte Hilfe und Unterstützung anbieten."

Doch wie passt dieser Anspruch zusammen mit der anderen Welt des Horremers? Manfred Klein ist seit acht Jahren Brudermeister der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Horrem. Und dort sind die Schützen — zumal an den vier Festtagen — dem Alkohol durchaus nicht abgeneigt. Und auch Manfred Klein trinkt gerne ein Glas Bier mit. "Ich habe dabei kein Problem mit der Glaubwürdigkeit." Wer kein Suchtproblem habe, dürfe und könne auch trinken. Die Grenze sei dabei durchaus nicht fließend: "Wer den Alkohol gezielt einsetzt, um in eine gewünschte Stimmung zu kommen, ist zumindest gefährdet." Der Brudermeister tritt auch energisch den Vorbehalten entgegen, Schützen träfen sich ständig zu Saufgelagen: "Sicher, zum Schützenfest wird mehr getrunken, aber die Bruderschaft trifft sich das ganze Jahr über zu zahlreichen sozialen Aktionen. Und da spielt Alkohol keine Rolle."

Manfred Klein, auf dem Goldberger Hof in Horrem aufgewachsen, wollte ursprünglich Priester werden. Die Familie war eng der katholischen Kirche verbunden. Mit fünf Jahren kam er in die Bruderschaft, nach dem Studium an der katholischen Fachhochschule in Köln war es für ihn selbstverständlich, in einer Organisation wie der Caritas Menschen zu helfen und zu dienen.

(NGZ)