Neuss: Broichhof fördert seit 100 Jahren Wasser

Neuss: Broichhof fördert seit 100 Jahren Wasser

Unter den Wassergewinnungsanlagen auf dem Stadtgebiet ist das Wasserwerk im Stadtwald der Veteran. Alt aber ist an der Einrichtung nur das Gebäude. Moderne Anlagentechnik garantiert sauberes Trinkwasser für 20 000 Haushalte.

Die Blumenkästen sind leer. Seit der Betrieb im Wasserwerk Broichhof automatisiert wurde, gibt es auf dieser Anlage im Stadtwald keinen Wasserwärter mehr, der sich neben seiner Arbeit auch um Fuchsien und Lupinen kümmern könnte. Vor genau 100 Jahren, als das Werk in Betrieb genommen wurde, war das anders. Da war diese unentbehrliche Betriebsstätte, als die das Werk Broichhof heute bei den Stadtwerken geführt wird, auch Lebensmittelpunkt für die Menschen, die dort arbeiteten - und lebten.

Am 22. August 1914 wurde zum ersten Mal Grundwasser aus den Brunnen der Anlage gehoben und ins damals nur 96,5 Kilometer lange Leitungsnetz eingespeist. Dazu waren mit Dampf betriebene Pumpen nötig, die im Wasserwerk in einer eigenen Maschinenhalle befeuert wurden. Längst überflüssig geworden, haben sie Tanks mit Natronlauge Platz gemacht, die den pH-Wert des Trinkwassers anhebt. Eine Maßnahme zur Qualitätssicherung, wie Stefan Alef von der Abteilung Anlagenplanung und -betrieb der Stadtwerke erklärt. Denn auch wenn das Werk 100 Jahre alt ist - technisch entspricht die Anlage dem Stand der Technik und genügt allen Vorgaben der Trinkwasserverordnung. "Alt" ist am Wasserwerk Broichhof nur das Gebäude.

Unter den Wassergewinnungsanlagen auf dem Stadtgebiet ist der Broichhof der Veteran. Das Wasserwerk Weingartstraße, das 1881 in Betrieb genommen wurde und für die Anfänge einer zentralen Trinkwasserversorgung in Neuss steht, wurde 1985 ebenso vom Netz genommen wie das 1934 in Betrieb genommene Wasserwerk Uedesheim im Rheinbogen.

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Am 21. Mai 1912 beschloss der Rat den Bau des Wasserwerkes Broichhof und stimmte damit den Plänen zu, an denen eine Düsseldorfer Firma ein halbes Jahr gearbeitet hatte. Grundlage dafür wiederum war ein Gutachten des "Königlichen Kreisarztes" Dr. Niemeyer vom 12. Oktober 1911, das den Standort als geeignet bewertete. Dass auf dem 150 Meter entfernten landwirtschaftlichen Broichhof, der dem Werk den Namen gab, zwei Jahre zuvor ein Typhusfall aufgetreten war, wurde vermerkt, änderte an dieser Bewertung aber nichts. Das Wasser, so die Expertise, war in jeder Hinsicht einwandfrei.

Die ersten Brunnen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg durch neue ersetzt, die wiederum ab 1971 durch eine neue Brunnengalerie abgelöst wurden. Sie wurden weiter westlich gebohrt, um, wie Wolfgang Lenhart als Technikchef der Stadtwerke erklärt, jeden Störeinfluss des benachbarten Nordkanals auszuschließen, der den östlichen Rand der Wasserschutzzone II markiert. Das funktioniert, auch weil das Grundwasser von Westen nach Osten strömt, auf den Nordkanal zu.

Von Anfang an versorgt "Broichhof" die - aktuell etwa 20 000 - Haushalte und Betriebe in den nördlichen Stadtteilen. Rund zehn Millionen Liter werden dazu täglich gefördert, erklärt Lenhart. Angesichts allgemein sinkender Verbrauchsziffern geht er davon aus, dass das Werk auch für die Zukunft ausreichend dimensioniert ist. Erster "Kunde am Netz" ist dabei der Jubiläumsbrunnen, an dem sich seit 20 Jahren Jogger und Spaziergänger im Stadtwald erfrischen können.

(NGZ)
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