1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Breitband und 5 G: Rhein-Kreis Neuss will bei Digitalisierung besser werden

Rhein-Kreis Neuss nur 16. im NRW-Digitalisierungskompass : Kreis will 5G-Modellstandort werden

Im Digitalisierungskompass des Forschungsinstituts Prognos landet der Rhein-Kreis Neuss nur auf Platz 16. Mit seiner Digitalisierungsstrategie will der Kreis besser werden – unter anderem als Test- und Modellstandort für 5G.

Die Szene strotzt vor Selbstbewusstsein. Der neue ImagefiIm, mit dem der Rhein-Kreis Neuss um Unternehmen wirbt, beginnt in einer Ankunftshalle. Ein Mann drängt sich zwischen zwei Wartende, die Schilder mit der Aufschrift „Köln“ und „Düsseldorf“ in Händen halten. Aber die beiden großen NRW-Metropolen schauen in die Röhre. Natürlich entscheidet sich die Unternehmensvertreterin für den Rhein-Kreis, schließlich ist es ein Werbefilm. Es gibt viele Gründe für das Selbstbewusstsein des Rhein-Kreises Neuss, Landrat Hans-Jürgen Petrauschke spricht gerne vom „wirtschaftsstärksten Kreis in NRW“. Aber im  aktuellen Digitalisierungskompass, den das Forschungsinstitut Prognos erstellt hat, landet der Rhein-Kreis in NRW nur auf Rang 16. Bundesweit langt es nur für Platz 96.

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), betont: „Gemessen an der Wirtschaftskraft kann der Rhein-Kreis Neuss damit nicht zufrieden sein.“ Es gebe viel Luft nach oben. „Schließlich spielt die Digitalisierung für Unternehmen eine immer größere Rolle. Entsprechend müssen digitale Kompetenzen so früh wie möglich und auf allen Bildungswegen vermittelt werden.“ Letztlich hänge aber alles von einer ausreichenden Bandbreite ab. „Ohne sie gibt es keinen Fortschritt“, erklärt Steinmetz.

Drei von maximal fünf Sternen gibt es für den Rhein-Kreis Neuss im Rating des Digitalisierungskompass. Das ist ausbaufähig. Zumal Petrauschke den teils stockenden Netzausbau für schnelles Internet – ebenso wie knappe Gewerbeflächen und zu wenig bezahlbaren Wohnraum – zu den Risikofaktoren für die Entwicklung einschätzt. Die Boom-Phase hält zwar an, der Geschäftsklima-Index hat das Allzeithoch des Vorjahres lediglich um einen Prozentpunkt verpasst und bescheinigt allen acht Kommunen im Kreis eine andauernd gute Konjunktur. Die Auftragsbücher sind voll, die Wirtschaft brummt. Laut „Mittelstandsbarometer Rhein-Kreis Neuss“, dem die Daten aus einer Umfrage bei 500 Unternehmen zugrunde liegen, würden 87 Prozent der befragten Unternehmen den Rhein-Kreis als Standort weiterempfehlen. Im Vorjahr waren es allerdings noch 95 Prozent.

Es ist im Rhein-Kreis Neuss daher derzeit ein bisschen wie bei einer erfolgreichen Fußball-Mannschaft: Drei Sterne auf der Brust im Breitband-Ranking reichen nicht, der vierte Stern soll her – und langfristig natürlich auch der fünfte. Die Gewerbegebiete sind dabei das eine. Vielerorts besteht bereits die Möglichkeit zum Glasfaser-Ausbau. Im Juli hat zum Beispiel Vodafone den Ausbau im Neusser Hafen offiziell gestartet, weitere Flächen stehen auf der Agenda. Die Privathaushalte sind das andere. Der Kreis beteiligt sich daher am Breitbandförderprogramm des Bundes.

Kreisdirektor Dirk Brügge wartet „im Grunde stündlich“ auf den entsprechenden Förderbescheid. „In diesem Schritt geht es erst einmal darum, alle sogenannten weißen Flecken zu beseitigen“, sagt Brügge. Als „weiße Flecken“ gelten Regionen mit einer Versorgungsrate unter 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Aber das ist nur ein Bestandteil der Digitalisierungsstrategie, die der Rhein-Kreis Neuss erarbeitet hat. Brügge bevorzugt reine Glasfaser-Lösungen. „Fiber To The Home“ (FTTH) heißt das in Fachkreisen, Glasfaser wird dann direkt bis zum Anschlussinhaber gelegt. Das Vectoring der Telekom hingegen setzt zum Beispiel auf das „Fiber To The Curb“-Prinzip (FTTC). Darunter versteht man eine kombinierte Lösung aus Glasfaser- und Kupferkabel, die nicht so leistungsstark ist.

Auch beim Mobilfunk möchte der Kreis aufrüsten. „Es ist unser Ziel, Start- und Modellstandort für 5G zu werden“, sagt Dirk Brügge. Der neue Mobilfunkstandard soll Übertragungsraten von zehn Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) ermöglichen. Zum Vergleich: Mit 4G beziehungsweise LTE liegen die realistischen Übertragungsraten deutlich unter 1 Gbit/s. Größere Übertragungsraten bieten neue Möglichkeiten für Apps – und für neue Geschäftsmodelle.

Ein weiterer Punkt, den der Kreis im Blick hat: Coworking-Spaces. Ein Beispiel ist das ChemLab, ein Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Dormagen und dem Chempark. Das Projekt soll digitale Prozesse und Innovationen fördern sowie neue Geschäftsmodelle entwickeln. Dazu sollen Synergien zwischen etablierten Unternehmen, Startups und Hochschulen genutzt werden. Ebenfalls auf der Agenda: Digitalwerkstätten. Sie sollen Schülern so früh wie möglich digitale Bildung vermitteln.