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Neuss: Brauhäuser in der Krise?

Neuss : Brauhäuser in der Krise?

Das Gasthaus Früh ist geschlossen, der Pächter insolvent. Die Nachricht wird in der Hausbrauerei "Im Dom" mit Sorge wahrgenommen. Hausbesitzer Wiertz denkt schon laut über den Umbau des Objektes für Wohnzwecke nach.

Nicht einmal ein Jahr konnte sich Paul Schlösser in dem Gasthaus Früh an der Michaelstraße halten, dann musste der 33-Jährige Insolvenzantrag stellen und das Lokal schloss.

Auf der anderen Straßenseite, im Gasthaus "Im Dom", wurde das mit Sorge beobachtet. "Das hat uns schon einen Schrecken eingejagt", gibt Thomas Wiertz zu, der Besitzer dieses Traditionslokals. Denn dort läuft es nach wie vor nicht rund. "Gastronomie in Neuss", so muss Wiertz feststellen, "ist ein ganz spezielles Thema. Wir bekommen die Leute nicht zu uns rein." Stecken die Brauhäuser in der Krise?

Krisengeschüttelt war in der Vergangenheit vor allem das "Schwatte Päd", an dem sich verschiedene Pächter versuchten und das zwischendurch immer wieder für Monate geschlossen blieb. Nach der letzten Insolvenz eines Pächters setzte die Brauereien-Gruppe InBev, zu der auch die Diebels-Brauerei gehört, sogar einen Sanierer sein, der mit scharfem Schnitt das "Päd" wieder lebensfähig machen sollte. Ihm folgte Bastian Gotthard — als angestellter Betriebsleiter. Der Sommer war mau, sagt Gotthard und begründet das mit der fehlenden Außenterrasse. Aktuell spricht er von einer steigenden Tendenz.

Arno Pangerl von der Kölner Früh-Brauerei glaubt ganz fest an eine Zukunft des Früh an der Michaelstraße. Die Insolvenz des letzten Pächters hätte viele Gründe gehabt, sagt er. "An den Umsatzzahlen lag es nicht." Deshalb verstand er auch nicht, dass der Insolvenzverwalter den Betrieb nicht weiterführte.

"Die Auftragsbücher sind eigentlich voll", sagt der gebürtige Neusser — und ist zuversichtlich, dass sich ein Pächter findet, der auch das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen kann. Dass man das Früh wirtschaftlich erfolgreich führen kann, steht für den Leiter Export und Direktgeschäft außer Frage. Silvia und Franz Goebbels hätten das in 15 Jahren als Pächter in dem Kölsch-Lokal Früh bewiesen.

Im "Dom" gegenüber klingen die Töne deutlich pessimistischer, werden schon andere Szenarien durchgespielt. Konkret: Die Umwandlung des ganzen Objektes für Wohnzwecke. "Wir haben gute Kritiken aber keine 150 Gäste am Tag", beschreibt Wiertz, dessen Frau das Unternehmen Dom leitet, das Dilemma. Aber aufgegeben ist das Konzept Hausbrauerei noch nicht endgültig. Ab morgen feiert man im Dom das 410-jährige Bestehen des Lokals — mit einem Sonderglas und Sonderpreisen.

Im Dezember soll in dem eigenen Sudhaus auch erstmals Neusser Knupp gebraut werden, ein Starkbier. Und Wiertz führt Sondierungsgespräche, um gegebenenfalls gemeinsam mit dem Früh im Grünstreifen der Promenade einen Biergarten zu etablieren. Eine Idee mit einem gewissen Charme, wie Frank Wolters vom Amt für Wirtschaftsförderung bestätigt. Aber ob sie sich umsetzen lässt? Für Wiertz ist diese Frage schon existenziell: "Spätestens, wenn dazu ein Nein kommt, ist die Dom-Brauerei tot."

(NGZ)