Neuss: "Boys' Day" hat in Neuss Nachholbedarf

Neuss : "Boys' Day" hat in Neuss Nachholbedarf

Seit drei Jahren gibt es den "Boys' Day", bei dem Jungen in Berufe, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden, hineinschnuppern können. Doch die Beteiligung ist bislang verhalten. In Neuss gibt es offiziell nur acht Plätze.

Am kommenden Donnerstag findet in vielen deutschen Städten wieder der "Girls' Day" und der "Boys' Day" statt. Jungen und Mädchen können dann in Berufe hineinschnuppern, die vom jeweils anderen Geschlecht dominiert werden. So gehen zum Beispiel Mädchen in technische Betriebe, Jungen in Kindertagesstätten. Viele Kitas würden sich über männlichen Zuwachs freuen, doch bieten auf der offiziellen Internetseite des "Boys' Day" nur vier Neusser Einrichtungen insgesamt acht Plätze an.

Ganz anders ist die Angebotslage beim "Girls' Day": Für den Aktionstag bieten in diesem Jahr in Neuss 19 Unternehmen knapp 180 Plätze an. Der "Boys' Day", der jetzt zum dritten Mal bundesweit stattfindet, kann da nicht mithalten. Almuth Reinhardt, Pressesprecherin des "Boys' Day", kennt gleich mehrere Gründe, warum das so ist: "Zum einen ist der Tag für Jungen noch recht jung. Der Tag für Mädchen hat zehn Jahre Vorsprung. Zum anderen sind die technischen Betriebe, in die die Mädchen gehen, darauf bedacht, ihren eigenen Nachwuchs zu generieren. Das sind oft Familienbetriebe. Die Kitas jedoch bekommen ihre Erzieher über die schulische Ausbildung — sie stellen nicht direkt ein."

Dabei suchen die Kindertagesstätten dringend männlichen Nachwuchs, sagt Gabriele Weber vom Lebenshilfe Familienzentrum Am Baldhof. Denn der könne den Alltag der Kinder bereichern: "Sie kennen sich mit Handwerklichem aus und mit Fußball", so die Leiterin. "Kinder sind oft frauenorientiert. Die Väter arbeiten, zu Hause wartet die Mutter. Männer ins Boot zu holen, ist daher sehr wichtig." Darum beteiligt sich die Lebenshilfe am "Boys' Day" und hat am Donnerstag drei Jungen zu Besuch.

Technische Betriebe bieten zum "Girls' Day" im Durchschnitt jeweils 15 bis 40 Teilnehmerplätze an — für Jungen gibt es pro Kita einen bis drei Plätze. Anders sei das nicht machbar, erklärt Sabrina Borchardt von den Augustinus-Strolchen, die sich mit einem Platz beteiligen: "Als kleine Einrichtung ist es nicht möglich, mehr Jungen aufzunehmen. Sie sollen ja richtig eingearbeitet werden und sehen, dass sie auch als Erzieher Karriere machen können." Das bestätigt Almuth Reinhardt: "Bei technischen Betrieben gibt es Führungen, da können viele Kinder teilnehmen. Aber 15 Jungen in einer Kita-Gruppe — das ist unmöglich."

Jungen sollten sich jedoch vom knapp wirkenden Angebot auf der Internetseite nicht abschrecken lassen. Denn Initiativbewerbungen fallen oft auf fruchtbaren Boden, berichtet Sandra Jabnoun vom Kindergarten St. Stephanus: "Vor einem Jahr hat sich der große Bruder eines unserer Kinder initiativ beworben. So haben wir von dem Tag erfahren. In diesem Jahr nehmen wir daher mit einem Platz offiziell auf der Internetpräsenz teil." Oftmals sei das Interesse so groß, dass Plätze durch Initiativbewerbungen schon vergeben seien, bevor sie offiziell ausgeschrieben werden, sagt Reinhardt. Dies ist bei der Caritas der Fall. "Wir haben schon einige Bewerbungen obwohl die Plätze nicht im Internet ausgeschrieben sind", sagt Gerda Mayer, Referatsleiterin der Caritas. "Das Projekt ist einfach toll. Da beteiligen wir uns gerne." Auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Neuss hat keine Plätze ausgeschrieben. "Wir kennen aber den Tag für Mädchen und könnten uns vorstellen, uns in Zukunft beim Tag für Jungen zu beteiligen", sagt Leiter Bülent Öztas.

Almuth Reinhardt rät Jungen, die noch keinen Platz haben und nicht bis nach Düsseldorf fahren können, einfach in einer Kita in der Nähe nachzufragen. "Die Betriebe haben das meist gar nicht auf dem Schirm. Möglich ist es auch, die eigene Mutter zur Arbeit zu begleiten."

(NGZ)
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