Neuss: Botschafter: Türken gestalten Neuss mit

Neuss : Botschafter: Türken gestalten Neuss mit

Einen Tag lang verbrachte Hüseyin Avni Karslioglu in der Stadt und traf Bürgermeister Herbert Napp, Geschäftsleute und Schüler. Während manche Termine eher informativ waren, wurde es bei anderen feierlich oder sogar emotional.

Der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu (59) hat gestern Neuss einen Besuch abgestattet. Es ist das erste Mal, dass der Vertreter der Republik Türkei, der seit 2012 in Berlin residiert, in die Stadt kam. Sein Besuch richtete sich nicht nur an die über 5 700 Landsleute und an die noch größere Gruppe von Deutschen mit türkischen Wuzeln, Karslioglu sah seine Anwesenheit auch als Zeichen der Völkerverständigung .

Foto: Berns, Lothar (lber)

Der Besuch dauerte den ganzen Tag - von 9 Uhr morgens bis in den Abend hinein - und umfasste mehrere Termine. Während manche eher nüchtern und informativ waren, wurde es bei anderen feierlich oder sogar emotional. Zunächst begann es ganz unprätentiös in einem Nachkriegsbau an der Friedrichstraße - in den Räumen der Fahrschule "i. drive", die im Besitz des türkischstämmigen Unternehmers Yasar Calik ist. Dort traf der Botschafter, der den ganzen Tag von dem in Düsseldorf residierenden Generalkonsul Alattin Temür begleitet wurde, auf Bürgermeister Herbert Napp, dessen Stellvertreter Thomas Nickel (CDU) und Geschäftsleute mit türkischen Wurzeln. Beim Frühstück lernten sie sich näher kennen. Der Besuch kam auf Initiative Nickels zustande, der den außenpolitischen Berater Merkels, Christoph Heusgen, kennt. Dieser wiederum überzeugte den türkischen Botschafter von der Idee, die Stadt zu besuchen.

Foto: Berns, Lothar (lber)

"Neuss war mir bisher nur als Zwischenstation zwischen Duisburg, Köln und Mönchengladbach bekannt", erzählte Karslioglu. Nach dem Besuch wisse er es nun besser: "Die Stadt ist eine Kraft für sich", sagte er. So zeigte sich der Botschafter beeindruckt von der Geschichte der Stadt. Auf seinen Wunsch hin besichtigte die Gruppe die Quirinius-Basilika und ließ sich das Bauwerk ausführlich erklären. Auch in ein anderes bedeutsames Gebäude der Stadt ging es und zwar ins Rathaus. Im Beisein des Hausherren Napp trug sich Karslioglu in das goldene Buch der Stadt ein.

Foto: Berns, Lothar (lber)

Beeindruckt war er auch von den türkischstämmigen Unternehmern, die er bei seinem Besuch traf. Sie würden Arbeitsplätze schaffen und ihre Fähigkeiten in der deutschen Gesellschaft sinnvoll einbringen. Neben der Fahrschule sah sich Karslioglu auch die "Tip-Top Autoaufbereitung" an, die von Turabi Yildiz geleitet wird.

Emotional wurde es in der Geschwister-Scholl-Grundschule in Norf-Derikum, in der gut 200 Schüler, die meisten mit türkischen Wurzeln, unterrichtet werden. Sie trugen Gedichte auf türkisch vor und sangen ein mehrsprachiges Lied. "Ich habe mich dort wiedergefunden", erzählte Karslioglu bewegt. Er selber hatte vor 50 Jahren an einer Volkshochschule in Donaueschingen Deutsch gelernt. Karslioglu riet den Kindern, Sprachen gut zu lernen, dann könnten sie es sogar bis zum Botschafter bringen.

(NGZ)
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