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Botanischer Garten Neuss: Große Pläne für Tropenhaus

Botanischer Garten Neuss : Große Pläne für das Tropenhaus

Wüstenklima auf der einen, Dschungel-Schwüle auf der anderen Seite: Das Tropenhaus ist der Teil des Botanischen Gartens, wo exotische Pflanzen zuhause sind. Mit dieser Einrichtung hat Henrike Mölleken vom Amt für Stadtgrün große Pläne.

Betritt man das Tropenhaus im Botanischen Garten, schießt einem sofort ein ganz bestimmter Gedanke durch den Kopf: Mensch, was für eine Hitze! Was für viele als unangenehm und deutlich zu heiß empfunden wird,bedeutet für die exotischen Pflanzen aber ein hervorragendes Klima. „Für tropische Pflanzen ist eine hohe Luftfeuchtigkeit sehr wichtig“, erklärt Henrike Mölleken, die als Leiterin des Amtes für Stadtgrün, Umwelt und Klima im Botanischen Garten tätig ist. „Aus diesem Grund findet man sie in etwas kühleren Gebieten wie Deutschland nicht vor.“

Das Tropenhaus entstand gemeinsam mit dem Botanischen Garten in den 1950er Jahren gänzlich neu. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte der damalige Gartenbaudirektor Franz Kellermann zwischen Körnerstraße und Bergheimer Straße zwar eine Stadtgärtnerei mit Kalt-, Warm- und Palmenhaus errichtet, die 1914 um einen Botanischen Schulgarten erweitert wurde. Aber erst nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gab Heinrich de Cleur, Kellermanns Nachfolger, der Anlage zwischen 1948 und 1961 ihre heutige Gestalt.

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Ziel beim Bau des Tropenhauses war es, tropische Pflanzen für die Menschen zugänglich zu machen. „Damals waren exotische Pflanzen etwas Besonderes, denn da war es nicht möglich, sich Pflanzen aus fremden Ländern mal eben im Internet anzusehen“, sagt Mölleken.

Das Tropenhaus selbst ist in zwei Bereiche aufgegliedert. Beim Betreten des Hauses fallen einem sofort zahlreiche Wüstenpflanzen ins Auge. Das Klima in diesem Teil der Einrichtung ist warm, die Luftfeuchtigkeit jedoch nicht ganz so hoch wie im angrenzenden zweiten Bereich. Die Wüstenpflanzen sind an hohe Temperaturen gewöhnt und brauche, erklärt Mölleken, sehr wenig Wasser. Sie kennzeichnen dicke Blätter und Stämme aus. „Pflanzen auf vulkanischem Gestein speichern das Wasser, das sie benötigen, im Gestein selbst und beziehen es von dort. Das kann man zum Beispiel auf den Kanarischen Inseln sehr gut beobachten“, sagt Mölleken.

Die tropischen Pflanzen im zweiten Teil des Gebäudes bevorzugen dagegen eine hohe Luftfeuchtigkeit. „Wir halten dort hauptsächlich Nutzpflanzen“, sagt Mölleken. Dazu gehört unter anderem ein Niembaum, der ein wertvolles Öl produziert, das nicht nur zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird, sondern auch wirksam gegen den Eichenprozessionsspinner ist. Der Eichenprozessionsspinner, der zur Gattung der Schmetterlinge gehört, stellt als Schädling allerdings nicht nur eine Gefahr für die Pflanzen dar: In seiner Form als Raupe können dessen Haare eine allergische Reaktion bei Menschen auslösen. Bei der ebenfalls ansässigen Rougepflanze werden die kleinen roten Früchte in der Kosmetikbranche tatsächlich zur Produktion von Rouge verwendet. Mit Bandbusch, Vanille, Zimt und Pfeffer sind im Tropenhaus Gewürzpflanzen gleichermaßen vorhanden wie eine große Bananenstaude. Weggeworfen wird hier nichts. „Die Bananen werden beispielsweise  unter den Mitarbeitern aufgeteilt“, sagt Mölleken.

Für die Zukunft wünscht sich Henrike Mölleken eine  Erweiterung des Tropenhauses. „Unser Ziel ist eine ständige Aktualisierung des Tropenhauses. Ich würde es sehr schön finden, wenn es noch mehr Pflanzen mit Früchten gäbe. So wäre es vielleicht noch ein wenig bunter im Tropenhaus.“

            Saskia Karbowiak

Info Der Eintritt in den Botanischen Garten in Neuss ist kostenlos. Neben dem Tropenhaus gibt es in der Anlage ein Landhaus, einen Waldbereich und einen Anschauungsgarten