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Neuss: Borussen in drei Generationen

Neuss : Borussen in drei Generationen

Fast alle Mitglieder der Familie Tenberken sind beim "Borussia Fanclub Hoisten 2004" gelistet. Als Gladbach-Anhänger, sind sie aber nicht einig über die Zukunft des Vereins. Schon gar nicht vor dem Spiel gegen Bayern.

Die Vereinszugehörigkeit ist in der Familie Tenberken (fast) keine Option. Opa ist Fan von Borussia Mönchengladbach, deswegen sind es auch seine drei Söhne und, wie sollte es anders sein, die drei Enkelsöhne ebenfalls. Nur bei den Frauen der Familie ist die Leidenschaft für den Tabellenletzten in der Bundesliga geteilt.

Ulrike Tenberken aber hält durch und durch zu den Fohlen. "Wir schenken meinem Schwiegervater Manfred ganz uneigennützig jedes Jahr zu Weihnachten den Sky-Anschluss", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Manfred grinst. "Ich freue mich darüber, weil meine Frau und ich an den Spieltagen dann die Bude voll haben", entgegnet der 74-jährige Duisburger in schönstem Ruhrpottsprech.

Er entdeckte seine Leidenschaft für Borussia in den 70er Jahren, den Glanzzeiten des Vereins. Das übertrug sich schnell auf die Familie, mit der er 1963 nach Neuss gezogen war. "Als Borussia 1992 im Finale des DFB-Pokals gegen Hannover stand, habe ich sogar mein Garagentor mit der Raute verziert", erinnert sich Opa Manfred und verkündet der Familie im Wohnzimmer seines Sohnes, dass er die Farbe der Deko bald auffrischen wolle.

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Dort, in der guten Stube von Ulrike und Peter Tenberken, hat sich der Familien-Clan versammelt. Bei Snacks aus dem Ofen und Bier von Diebels (Gladbachs Trikotsponsor in den 1990er Jahren) diskutieren sie über die Aussichten "ihres" Vereins in der Bundesliga. Die Meinungen gehen auseinander: Nach der Niederlage (0:1) am vergangenen Freitag gegen Kaiserslautern sehe es düster aus mit dem Klassenerhalt, findet Ralf, ältester Sohn von Manfred. "Wir müssen uns bald mit dem Gedanken abfinden", meint auch Dirk Tenberken, "in der nächsten Saison zum Spiel gegen Fortuna nach Düsseldorf zu fahren." Davon will sein Sohn Marco nichts wissen. Im "Borussia-Fanclub Hoisten 2004" sind sie fast alle Mitglied, der 20-jährige Marco ist dort am aktivsten und fährt öfter mit zu Auswärtsspielen. "Ich gebe die Hoffnung auf einen Relegationsplatz nicht auf." Deswegen tippt er auch als einziger im Familienkreis auf einen 1:0-Sieg gegen Bayern München morgen Abend.

Marcos Cousin Jan bleibt gelassen. Er spielt selbst Fußball, Vater Peter ist sein Trainer in der D-Jugend des DJK Hoisten. Der 10-jährige Abwehrkämpfer lief schon mal mit den Borussia-Profis im Stadion ein, verkleidete sich als Dante bei einer Werbeaktion in Mönchengladbach und ergatterte dafür ein signiertes Trikot seines Idols. Klar, dass Jan Profi bei den Fohlen werden möchte. "Das will mein Vater auch, und deswegen muss ich beim Training manchmal besonders hart arbeiten – schon ein schweres Los", sagt Jan und spricht damit wohl auch für seinen jüngeren Bruder Jonas, der ebenfalls beim DJK Hoisten spielt. Die anderen Tenberkens lachen und diskutieren weiter über den Klassenerhalt – ganz egal wie morgen Abend das Spiel ausgehen wird. Sie sind schließlich Fans.

(NGZ)