Blindgänger in Neuss: Bombe in Nordstadt ist entschärft

Blindgänger in Neuss : Bombe in Nordstadt ist entschärft

Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg legt Freitagabend die Nordstadt lahm. Tausende mussten ihre Wohnungen verlassen. Um 20:59 Uhr gibt es Entwarnung: Die Bombe ist entschärft worden.

In der Neusser Nordstadt ist Freitagabend eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Tausende Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen, während die britische Fliegerbombe, die am Mittag bei Kanalbauarbeiten auf einem Grundstück des Bauvereins gefunden worden war, am Kotthauser Weg entschärft wurde. Erst um kurz vor 21 Uhr kann Sprengmeister Jost Leisten vom Kampfmittelräumdienst Entwarnung geben: Der Zünder war erfolgreich entfernt worden.

"Wir durften mit der Entschärfung nicht bis zum nächsten Tag warten", sagte Ordnungsamtsleiter Uwe Neumann. Denn die Bombe war nicht durch eine Sondierung, sondern durch einen Baggerfahrer entdeckt worden: Der hatte die Bombe mit der Schaufel aus der Erde gehoben. "Das hätte ins Auge gehen können", sagte Neumann. Und das sei auch der Grund gewesen, sich für eine schnelle Entschärfung der 250 Kilo schweren Bombe zu entscheiden, so der Ordnungsamtsleiter. Er war dafür zuständig, die Evakuierung der betroffenen Anwohner und Firmen zu koordinieren.

Altenheim wurde evakuiert

Unter anderem mussten die Bewohner des angrenzenden Altenheims "Haus Nordpark" ihr Zuhause verlassen. Die Senioren wurden in der Turnhalle des Marie-Curie-Gymnasiums untergebracht, wo Dutzende Hilfskräfte von Maltesern und Rotem Kreuz für sie da waren.
Insgesamt waren im "erweiterten Gefahrenbereich" 15.000 Menschen von der Entschärfung betroffen. Per Lautsprecher wurden sie angewiesen, sich "luftschutzmäßig" zu verhalten, also sich auf der abgewandten Gebäudeseite und nicht im Dachgeschoss oder im Freien aufzuhalten. "Zudem mussten Tausende Anwohner, die im Umkreis von 500 Metern leben, ihre Wohnungen verlassen", erläuterte Neumann. Denn diese Fläche hatte die Stadt als "unmittelbaren Gefahrenbereich" ausgewiesen — niemand durfte sich während der Entschärfung dort aufhalten.

Zufahrten in den Norden wurden frühzeitig gesperrt

Dies führte auch zu Verkehrsproblemen. Denn die Polizei hatte bereits eine Stunde vor der Entschärfung gegen 19 Uhr damit begonnen, die Zufahrten in den Neusser Norden abzusperren. Davon betroffen waren insbesondere die Römerstraße und die Neusser Weyhe. Die Bombenentschärfung hatte zudem Auswirkungen auf den Öffentlichen Nahverkehr, zahlreiche Buslinien, die normalerweise durch den Neusser Norden fahren, mussten umgeleitet werden, vielerorts kam es zu Verspätungen.

Für die Anwohner war es die zweite Bombenentschärfung innerhalb weniger Monate — viele machten ihren Unmut lauthals Luft. Denn schon im vergangenen Oktober, beim ersten Bombenfund, hatte es den Verdacht auf eine zweite Bombe gegeben, Sondierungen brachten damals jedoch kein Ergebnis. Der Grund laut Ordnungsamt: Die Bombe rutschte in tiefere Erdschichten, darüber liegende Kabel und Leitungen behinderten die Messungen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: April 2013: Bilder von der Bombenentschärfung in Neuss

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