Neuss: Alkoholisierter Fahrer macht mit seinem Truck Straße zum Trümmerfeld

Nach Lkw-Unfall in Neuss : Anwohner und Kioskinhaber sind geschockt – „Es geht um unsere Existenz“

Ein nach Polizeiangaben stark alkoholisierter Mann hat mit seinem Lastwagen in der Nacht zum Donnerstag einen Unfall mit erheblichem Sachschaden verursacht. Er selbst blieb der einzige Verletzte. Anwohner zeigen sich geschockt.

Ein 28 Jahre alter Lastwagenfahrer hat mit seinem rumänischen Sattelzug am späten Mittwochabend die Gladbacher Straße in ein Trümmerfeld verwandelt. Der nach Polizeiangaben stark alkoholisierte Mann kam gegen 23.45 Uhr mit seinem Lastwagen aus Richtung der Kaarster Straße, als sein Fahrzeug in Höhe von Hausnummer 105 aus ungeklärten Gründen nach rechts von der Fahrbahn geriet.

Bevor die Zugmaschine vor eine Hauswand prallte und der Truck quer zur Fahrbahn zum Stehen kam, hatte der Sattelschlepper vier Autos zum Teil schwer beschädigt, Fahrbahnpoller und Schilder abrasiert, eine Schaufensterscheibe zum Bersten gebracht – aber zum Glück niemanden verletzt. Der Fahrer allerdings musste nach medizinischer Erstversorgung vor Ort in ein Krankenhaus gebracht werden.

Nur 45 Minuten früher hätte die Sache schlimmer ausgehen können, behauptet Anwohnerin Melek Yilmaz. Denn da sei die Straße vor ihrer Haustür noch belebt gewesen, weil der Imbiss „Allo-Tacos“ und der Kiosk „Jindujan“ im Nachbarhaus erst um 23 Uhr schließen. Sie sei durch einen lauten Knall auf das Unglück aufmerksam geworden und sofort am Fenster gewesen. Dann stürzte sie auf die Straße hinaus – wie etliche andere Nachbarn auch. In dem dort herrschenden Chaos fand sie vor allem bemerkenswert, wie sich die verstörten Nachbarn umeinander kümmerten. Nur einer Frau seien offensichtlich die Nerven durchgegangen, sagt sie: „Die hat dem Fahrer den Tod gewünscht.“

Fürchten um ihre Existenz: Rudolf Saraev, Shahin Mohammad (r.). Foto: Christoph Kleinau

Während Spezialfirmen noch bis in die späten Vormittagsstunden des Donnerstags damit beschäftigt waren, die bis dahin gesperrte Straße von dem aus dem Truck ausgelaufenen Öl und Diesel zu reinigen, machte der Schock handfesten Sorgen Platz. Katharina Schulze, deren fast neuer Seat Ibiza nach dem Vollkontakt mit dem Sattelzug nur noch Schrottwert hat, schaltete einen Anwalt ein. Sie fürchtet, auf dem Schaden sitzen zu bleiben. Ähnliche Sorgen beschäftigen auch Rudolf Saraev und Shahin Mohammed – und zwar in einer ganz anderen Größenordnung: „Es geht um unsere Existenz“, sagt Saraev vor seinem verbretterten Kiosk, den er erst vor einem Jahr eröffnet hat und der in der Unfallnacht am heftigsten getroffen worden war. „Da stecken unsere ganzen Ersparnisse drin.“

Sebastian Wiemuth, der auch Unfallopfer wurde, obwohl er zum Unfallzeitpunkt tief schlummerte, ärgert, dass der Lastwagenverkehr auf der Gladbacher Straße nachts oft sehr hoch ist. „Gerade um diese Uhrzeit fahren die nicht mehr 50“, habe er beobachtet, sagt Wiemuth, dessen VW Caddy von dem Lkw so heftig getroffen wurde, dass er in über zwei Meter Höhe gegen die Hauswand des Kiosks flog und auf dem Autodach liegen blieb.

Susanne und Volker Rinkens sind froh, dass es diese parkenden Autos am Straßenrand gab. „Ohne die“, sagt Volker Rinkens, „wäre der Lastwagen in unserem Schlafzimmer gelandet.“ So kamen beide mit einem nächtlichen Schrecken davon. Und die Familie konnte sich sogar noch nützlich machen. Die Tochter, die als Ärztin in der Schweiz arbeitet und gerade Urlaub daheim macht, koordinierte die erste Hilfe und versorgte den Lastwagenfahrer, der schon aus dem zertrümmerten Fahrerhaus befreit worden war, als Polizei und Feuerwehr eintrafen.

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