Bläserquintett „Brassomir“ gibt Konzert in Neuss

Konzert mit fünf jungen Bläsern: Perfekte Mischung aus Musik und Erzählung

Das junge Bläserquintett „Brassomir“ überzeugte mit „Performusik“ im Romaneum auf ganzer Linie.

Zu der Frage, warum die Besucher in klassischen Konzerten immer älter und an den meisten Häusern auch weniger werden, sagt der Musikwissenschaftler Martin Tröndle (47): „Nicht der Inhalt ist das Problem, sondern die Form.“ Das müssen sich die jungen Musiker vom Blechbläserquintett „Brassomir“ zu Herzen genommen haben, denn auf Einladung der Musikschule präsentierten sie im Romaneum ein völlig neues und begeisterndes Konzertformat.

Das Bläserquintett Brassomir besteht aus Musikern, die 17 (Justus Jansen), 16 (Leonard Kutsch), 15 (Malte Linder und Jan Breer) und 13 Jahre (Jan Stopka) alt sind. Foto: Musikschule Neuss

Malte Linder (15, Trompete). Jan Stopka (13, Trompete), Justus Jansen (17, Posaune), Leonard Kutsch (16, Bassposaune) und Jan Breer (15, Horn) — er ist als einziger aus Neuss—, lernten sich im Landeskindersinfonieorchester NRW kennen, bewarben sich als Quintett 2017 bei „Jugend musiziert“ und räumten prompt beim Bundeswettbewerb den ersten Preis ab. Inzwischen haben sie sogar in der Kölner Philharmonie gespielt.

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In der Exzellenz-Förderung des Kammermusikzentrums NRW haben sie das neue Format erprobt, das bereits einen Namen hat: „Performusik“. Sie erzählen eine selbst entworfene Geschichte von einer Seereise nach New York, spielen viele Szenen in roten Socken und schwarzen Anzügen mit viel Talent (Regie: Laura Remmler) und begleiten die Szenen mit passender Musik (Einstudierung: Hornist Harald Hörtlackner). Die Ouvertüre ist eine prächtige Fanfare, das Schiff legt zur Musik von „Brass Machine“ ab, gedämpfte Trompeten sind die Sirene. Die Passagiere in der ersten Klasse genießen natürlich anspruchsvolle Musik des britischen Renaissance-Cembalisten Giles Farnaby, von Elgar Howart wunderbar für Blechbläser arrangiert. In den unteren Klassen erklingen mit „Little Brown Jug“ und einem Glenn-Miller-Medley Jazzstandards. Stimmungsbilder wie „Silent Brass“ der jungen Komponistin Juliane Grepling (30, Hornistin) spiegeln das glatte Meer, Der stets versoffene Kapitän erzählt eine Gruselgeschichte zu Edvard Griegs „Tanz in der Halle des Bergkönigs“, den er schließlich mit der Filmmusik zu „Die glorreichen Sieben“ besiegt. Endlich erreichen die Fünf „New York, New York“ zum Song von John Kander in einem anspruchsvollen Arrangement von Bill Holcombe.

Neben der verblüffenden schauspielerischen Leistung überzeugten die jungen Musiker natürlich in ihrem Hauptfach mit technisch hoher Versiertheit, präzisem Zusammenspiel und zumeist reiner Intonation.

(Nima)
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