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Neuss: BKG mit Orden aus Übersee

Neuss : BKG mit Orden aus Übersee

Weil er gut 40 Prozent sparen kann, hat die Brauchtums- und Karnevalsgruppe den Sessionsorden erstmals aus Fernost bezogen. Doch der Idee folgte die Panne: Bei der ersten Veranstaltung lagen die noch beim Zoll fest.

Das hätte der eigentliche Witz der Session werden können: Als die Brauchtums- und Karnevalsgruppe (BKG) der Heimatfreunde zur ersten Veranstaltung der Session einlud, baumelte den Mitgliedern des Elferrates noch der alte Sessionsorden auf der Brust. Grund: Die neuen hingen noch beim Zoll fest. "Gert Harbaum hat sich auf ein Abenteuer eingelassen", kommentiert BKG-Präsident Ulrich Ziegler die Panne seines neuen Ordensbeauftragten, doch der hält tapfer dagegen. Der neue Orden "aus Übersee" sei 40 Prozent günstiger.

Mit einem in Fernost gefertigten Orden steht die BKG ziemlich alleine da. Der Karnevalsausschuss (KA) als Dachverband des Neusser Karnevals, aber auch die meisten kleineren Gesellschaften lassen ihre Orden bei der Firma Sack in Hemmerden machen, sagt KA-Vizepräsident Rainer Franzen. Früher habe man für seine Orden bis in die Eifel fahren müssen, doch die Firma Sack habe sich zu einem echten Marktführer entwickelt, sagt Franzen, der überzeugt ist: "Preislich tut sich das nicht viel. Der Rest ist Verhandlungssache. Außerdem sollte unser Geld auch im Rhein-Kreis Neuss arbeiten."

Dass das Geld tatsächlich im Kreis bleibt, mag Gert Harbaum kaum glauben. "Die Firmen lassen doch alle da unten arbeiten," sagt er, "dass gibt nur keiner zu." Ihn lockt die Preisersparnis, die er noch dadurch steigern konnte, dass er nicht auf Lieferung der Orden zum Sessionsauftakt am Elften im Elften bestand. "Ende Januar reicht", sagte er – aber hatte die Rechnung nicht mit dem Zoll gemacht.

Auf die Behauptung, Orden würden generell in Billiglohn-Ländern produziert, antwortet Heinz-Josef Sack, Inhaber des Geschäftes für Orden und Vereinsbedarf, lapidar: "Wenn die BKG heute käme, hätte sie ihre Orden noch am Freitag." Er gibt zu, dass beim Thema Pokale die Konkurrenz aus Osteuropa und Asien groß ist, doch das Ordensgeschäft sei ein anderes. "Alle Großfirmen wollen große Stückzahlen produzieren", doch gerade beim Karneval würden Klein- und Kleinstbestellungen aufgegeben. Zu klein für Auslandsgeschäfte.

Daneben gebe es auch Internetfirmen, die Orden "zu Wahnsinnspreisen" anbieten. Aber was viele Vereine nicht mit einkalkulieren würden, seien etwaige Fehler, die Liefergarantie oder aber Mehrwertsteuer – und Zoll. "Das Ende vom Lied sieht man jetzt."

Für die BKG versichert ihr Präsident Ziegler: Die Orden seien inzwischen da. 400 Stück. Genug für den Nüsser Ovend am 26., die Karnevalsfreunde, die zum Kappessonntag aus Teneriffa anreisen – und den Elferrat. Aber der hätte zur Not ja noch den alten.

(NGZ)