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Neuss: Bischof Marzinkowski in Afrika in Not

Neuss : Bischof Marzinkowski in Afrika in Not

Der Spiritanerbischof aus Neuss wurde in seiner Missionsstation in der Zentralafrikanischen Republik von Rebellen ausgeplündert, seine Mitarbeiter flohen. Vier Wochen war er nicht erreichbar, jetzt gab es ein Lebenszeichen.

Der Einfluss von Bischof Peter Marzinkowski (74) reicht momentan kaum weiter, als ihn seine Füße tragen. Rebellen haben in der Zentralafrikanischen Republik die Diözese Alindao des Spiritanerpaters von der Neusser Furth besetzt, fast alle Mitarbeiter zur Flucht in die benachbarte Republik Kongo getrieben und die Mission mehrfach gründlich ausgeplündert. Allein alle Autos wurden requiriert.

"Er ist aller Handlungs-Möglichkeiten beraubt", schildert Hansgeorg Marzinkowski die verzweifelte Lage seines älteren Bruders. Und das war sie schon, bevor jeder Kontakt nach außen unterbunden wurde.

Mit drei Priestern harrt Peter Marzinkowski in seinem Bischofsdorf, wie er die Mission nennt, aus. "Die Frauen der Gemeinde passen auf, dass wir genug zum Essen haben", schrieb er Familie und Freunden in seinem letzten Rundbrief zu Ostern. Ein Satz, der in den vier Wochen danach tröstend wirkte, als der Seelsorger auf seinem Vorposten überhaupt nicht mehr zu erreichen war. "Alle Solaranlagen sind weg", hatte er nach einem Generalangriff der Rebellen, die er hilflos gewähren lassen musste, auf Alindao bilanziert. Ohne Strom verstummte Marzinkowski, als der letzte Akku leer war. "Wir waren in Sorge, aber wir hatten keine furchtbare Angst", schildert seine Schwester Angelika Krehn die Gefühle dieser Zeit. Erst am Wochenende bekam sie wieder Telefon-Kontakt zu ihrem Bruder — eine Erlösung: "Mir geht es gut", ließ er alle in der Heimat wissen.

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Die Unruhen in der Zentralafrikanischen Republik spitzen sich schon seit dem Jahreswechsel zu und gipfelten am 24. März in der Eroberung der Hauptstadt Bangui durch die Truppen der Rebellenkoalition Seleka. Deren Führer rief sich nach der Flucht des Präsidenten zu dessen Nachfolger aus. Beruhigt hat das die Situation kaum. Von einem Gespensterstaat ist in einem Brief der zentralafrikanischen Bischofskonferenz an den neuen starken Mann die Rede, und auch die Bischöfliche Kommission Justizia et Pax äußerte erst vor Tagen ihre große Sorge — auch angesichts einer "systematischen Zerstörung kirchlicher Gebäude". Alindao, das Bistum des deutschen Spiritanerbischofs, zählt die Kommission zu den besonders betroffenen Bistümern. Auch das in Bonn ansässige "Netzwerk Afrika Deutschland" berichtet von Plünderungen in Alindao.

Trotzdem schlug sich Marzinkowski, als er im Februar von einer Rom-Reise zurückkehrte, zu seinen Leuten durch — obwohl da die Mission schon da einmal von Rebellen heimgesucht worden war. Er wollte aber nicht in der Hauptstadt Bangui bleiben. "Die Präsenz des Bischofs ist wichtig für die Menschen hier, sie fühlen sich nicht mehr so verlassen", schrieb er noch an Ostern. Auch wenn er kaum noch dort arbeiten kann.

Auf die Situation in Alindao hat seine Schwester jetzt die Deutsche Bischofskonferenz hingewiesen. Sie wollte etwas tun, was über die Stoßgebete hinausgeht, die sie und andere Freunde schon seit Wochen täglich um 12 Uhr zum Himmel schicken. Und auch seine Heimatpfarre will helfen. Statt Geschenken bitten Hans-Günther Korr und Hansjosef Weier zur Feier ihres Priesterjubiläums um Spenden für die Mobile Gesundheitsstation in Alindao. Wenn nicht, so schränkt Korr ein, das Geld dort für andere Dinge dringlicher gebraucht wird.

(NGZ/rl)