1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Bilder im Museum "bauen"

Neuss : Bilder im Museum "bauen"

Die Malerin Susanne Stähli wird das Clemens-Sels-Museum in ihrer im November beginnenden Ausstellung in Farbräume verwandeln. Die Besucher können dieses besondere Bildentstehung miterleben.

Mehrere Besuche hat es gebraucht, bis die Farben feststanden: Blau für die Cafeteria, Rot für die Kabinette und Grün für die Vitrinen. Wenn Susanne Stählis Ausstellung im Clemens-Sels-Museum am 7. November eröffnet wird, präsentiert sich das Haus ganz anders als gewohnt — was auch der Titel dokumentiert: "Der verwandelte Raum". Die in Witten lebende Malerin ist es zwar gewohnt, Werke gezielt für die Ausstellungsräume zu schaffen, aber im Deilmann-Bau kam sie, die auch gerne großformatig arbeitet, an Grenzen: "Es gibt so wenig Hängeflächen", hat sie festgestellt. Und außerdem: "Der Raum ist sehr speziell durch die Schwere der Decke."

Die Organisatoren Ali Özoglu (li.) Bernd Altwasser (r.) mit Mike Schwandt vom Rennbahnpark. Foto: Martin Horn

Damit meint sie den Gartensaal, das Foyer und das Treppenhaus, denn diese Räume sind es, die künftig der "Konzeptuellen Malerei" vorbehalten sind — neben den eigenen Sammlungen mit wechselnden Ausstellungen, der Stadtgeschichte und Archäologie das dritte Standbein des Clemens-Sels-Museum.

Die Aufnahme von der Cafeteria ist eines der bearbeiteten Foto: Susanne Stähli

Wie kann man die Schwere brechen? war für Susanne Stähli die dringlichste Frage für das Konzept von Farbräumen, die zum Gebäude passen und dieses die Besucher dennoch neu erleben lassen. Im mittlerweile hellen Gartensaal, der von den dunklen Holzwänden befreit wurde, war die Entscheidung leicht: "Dort wird eine Wand ganz rot." Die Farbe wird sie direkt auftragen und damit ein temporäres Kunstwerk schaffen, dessen Entstehung die Museumsbesucher miterleben können. Denn Stähli arbeitet bei laufendem Betrieb, wird Ende September anfangen.

Mit Fotos probiert

Vielleicht wird es auch an der hohen Wand im Treppenhaus eine Wandmalerei geben, "aber das weiß ich noch nicht genau". Die Glaswände in der Cafeteria aber haben vor allem ihre Fantasie herausgefordert. Bis sie auf die Idee kam, sie mit Folien zu bekleben. "Farbiges Glas hat mich schon immer interessiert", sagt sie, und so suchte sie zunächst nach dem richtigen Material, musste sich darüber klarwerden, ob es lichtdurchlässig sein sollte oder nicht, und dann noch die Farbe finden. Schließlich hat das Konzept nicht nur eine Innen-, sondern auch eine Außenwirkung, wirkt bei Tage anders als bei Nacht. Ihr geht es vor allem um "durchleuchtete Farbe", und sie weiß auch, dass die Situation sich im Winter mit kahlen Büschen und Bäumen vor dem Gartensaal, mit fahlerem Sonnenlicht und mehr künstlichem Licht verändern wird. "Das viele Grün im Moment ist ohnehin eher schlecht", sagt sie lachend, "aber ich habe im Kopf, dass das funktioniert, und werde die Folien natürlich erproben".

Modelle zu machen, nütze nichts, meint sie, aber mit Fotos habe sie viel probiert und zeigt dabei eine ganze Reihe von bearbeiteten Aufnahmen, auf denen die Museumsräume verwandelt sind. "Der Besucher geht durch ein gebautes Bild", verspricht sie und will damit das Museum auf verschiedenen Ebenen — "auch mit Durchblicken" neu erlebbar machen.

(NGZ)