Neuss: Big Band in der Alten Post

Neuss: Big Band in der Alten Post

In Philipp van Enderts Jazzreihe "Blue in Green" gastierte zum ersten Mal eine 19-köpfige Big Band in der Alten Post. Das "Thoneline Orchestra" aus Köln begeisterte mit modernem Jazz in vielschichtigen Arrangements.

Von einer "Premiere" sprach Philipp van Endert bei der Begrüßung zum Konzert mit dem "Thoneline Orchestra". Denn noch nie zuvor hat es in der Jazz-Reihe "Blue in Green" den Auftritt einer Big Band gegeben. Für das Publikum war es ein besonderes Erlebnis, im Saal der Alten Post dem 19-köpfigen Jazz-Orchester direkt gegenüberzusitzen, ohne die trennende Distanz eines Bühnenpodests. So konnten die Besucher den vielschichtigen Arrangements, dem Wechsel zwischen Tutti-Passagen und Soli, zwischen Auskomponiertem und Improvisiertem nicht nur mit den Ohren folgen, sondern auch mit den Augen.

Große Klangpalette

Gleich das erste Stück, "Seesucht", begann mit rhythmischem Klatschen, zu dem Caroline Thon das Publikum anleitete. Und ehe man sich's versah, noch bevor man sich aufs Schauen, Lauschen und Staunen zurückziehen konnte, war man mittendrin im Sog einer faszinierenden Musik, war selbst Teil dieses großen und zugleich feingliedrigen Klangkörpers.

  • Neuss : Jazz und Grenzüberschreitendes bei "Blue in Green"

Der Name "Thoneline Orchestra" verbindet den englischen Ausdruck "tone line" (Tonreihe) mit dem Familiennamen der Bandleaderin und verweist darauf, dass sie es ist, die in dieser Formation den Ton angibt – als Komponistin, Arrangeurin und Dirigentin. Und noch etwas lässt sich aus dem Namen ableiten: Das englische Wort "tone" bezieht sich – wie die deutsche Übersetzung "Ton" – nicht nur auf die Musik, sondern auch auf die bildende Kunst mit ihren Farbtönen. Dieser Analogie lässt sich Thons Kompositions- und Arrangierkunst als besonders farbenreich bezeichnen.

Im souveränen Umgang mit Kontrasten, etwa zwischen den dunklen Schattierungen des gestrichenen Kontrabasses und dem gleißenden Strahlen der Trompeten, lässt Caroline Thon atmosphärische Klanggemälde entstehen, die durch ihren dynamischen Aufbau eine verblüffende dreidimensionale Tiefe gewinnen. Dadurch, dass Sängerin Filippa Gojo ihre Stimme auch lautmalerisch einsetzt und viele der Musiker Multi-Instrumentalisten sind, steht der Bandleaderin eine große Klangpalette zur Verfügung, die sie virtuos nutzt. Die Mitglieder des Saxofonsatzes etwa spielen auch verschiedene Klarinetten und Flöten. Darüber hinaus sind die Bandmitglieder nicht nur gute Koloristen, sondern allesamt auch hervorragende Solisten. Wer das "Thoneline Orchestra" bereits 2011 bei den Hildener Jazztagen erlebt hatte, konnte jetzt in Neuss feststellen, wie sich die Band seitdem weiterentwickelt hat. Dass es möglich ist, im Rahmen einer Jazzreihe wie "Blue in Green" auch einmal ein solch ambitioniertes Großprojekt zu erleben, honorierte das Neusser Publikum mit großem Applaus.

(NGZ)
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