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Neuss: Biergarten ein Muss für Kneipen

Neuss : Biergarten ein Muss für Kneipen

Außengastronomie wird in Neuss zur Ganzjahresveranstaltung. Wer keine Restauration unter freiem Himmel hat, der schafft sie sich. So wie die Gaststätte "Im Dom", die an der Promenade einen bayerischen Biergarten plant.

Früher reichte es, wenn man als Wirt eine Bundeskegelbahn im Keller hatte. Doch die Bedürfnisse ändern sich. Heute braucht ein Lokal Tische und Stühle unter freiem Himmel. "Ich würde heute kein Objekt mehr ohne Außengastronomie übernehmen", erklärt Michael Schatten, der zu seinem Innenstadtlokal "Rheingold" das "Haus Hubertus" in Grimlinghausen gepachtet hat. Mit Biergarten. Und wer den nicht hat, der schafft ihn sich. So wie Karl Kehrmann, seit kurzem Pächter des Traditionslokals "Im Dom". "Der Biergarten kommt auf jeden Fall", versichert Kehrmann — und zwar direkt neben den Busbahnhof in den Grünstreifen an der Promenade.

"Die Leute wollen heute draußen sitzen, auch bei Schietwetter", hat Frank Lubig beobachtet, Vorstand des Neusser Bauvereins. Dessen Lokal unter dem Rheinischen Landestheater ist die Ausnahme zur Regel: Mit Außengastronomie — und trotzdem zu. Das wird auch so bleiben. "Es wird dort keine Gastronomie mehr geben", sagt Lubig. Ein Grund: "Lokal und Kulturbetrieb sollten sich ergänzen. Das war entscheidend, aber genau das funktioniert nicht."

Decken, Windschutz, Markisen, Heizpilze: Die Industrie bietet immer mehr von dem an, was die Saison in Biergärten und auf Terrassen ausdehnen hilft. "Weil es nachgefragt wird", wie Thorsten Hellwig vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) weiß. "Wer als Wirt ein bisschen Platz hat, stellt einen Stuhl nach draußen", sagt Hellwig, der beobachtet: "Außengastronomie ist inzwischen eine Ganzjahresveranstaltung." Unter den vielen möglichen Ursachen für diesen Trend vermutet er auch die Tatsache, dass dort noch geraucht werden darf. "Noch", wie er betont.

Das sich abzeichnende absolute Rauchverbot in allen Lokalen wird nach Überzeugung des DeHoGa zu einer neuen Welle beim Kneipensterben führen. "Der Konsolidierungsprozess ist noch nicht abgeschlossen", formuliert das Hellwig freundlich. Wettbewerb und verändertes Freizeitverhalten erhöhen den Druck auf die Branche zusätzlich. Wer da Erfolg haben will, braucht ein Konzept und eine klare Vorstellung von seiner Zielgruppe.

Das "Früh" an der Michaelstraße macht da keine Ausnahme. Der neue Gesellschaftssaal macht das Lokal jetzt auch für Gruppen interessant, und das Angebot des "Dom", den Promenaden-Biergarten gemeinsam zu bewirtschaften, steht. "Als Brauerei unterstützen wir das", erklärt Arno Pangerl von der Früh-Brauerei. Doch den endlich gefundenen neuen Pächter könne man nicht zwingen. Der soll erst einmal eröffnen — am 19. Juli

(NGZ)