Neuss: Bewegende Johannespassion von Bach im Münster

Neuss: Bewegende Johannespassion von Bach im Münster

Nach zehn Jahren war das Werk von Johann S. Bach wieder in St. Quirin zu erleben - mit Capella Quirina und Nordrhein Baroque.

Seit mehr als 100 Jahren sind die beiden großen Passionen Johann Sebastian Bachs die meistgespielte Musik in der Fastenzeit vor Ostern. Nach genau zehn Jahren erklang jetzt in der Neusser Quirinusbasilika wieder die "Johannespassion", die Münsterkantor Joachim Neugart mit dem Kammerchor Capella Quirina einstudiert hatte. Für Joachim Neugart gab es einen weiteren Anlass, diese große Passion aufzuführen, denn die Musikwelt feiert in diesem Jahr Bachs 333. Geburtstag.

Der Bericht über Christi Leiden ist im Johannesevangelium relativ knapp, beschränkt sich auf die Gefangennahme und die Verhöre, skizziert kurz die Kreuzigung und die Grablegung. Dadurch herrscht eine düstere Stimmung vor, die gleichwohl im Eingangschor ein grandioses Tongemälde zeichnet. Gleich zu Beginn wird klar: Die "größte Niedrigkeit", das Leiden wird durch die Auferstehung verherrlicht.

In starker Besetzung mit fast 40 Stimmen beginnt die Capella Quirina groß und kraftvoll den Eingangschor und greift sicher die Sechzehntelbewegung auf. Besonders genau gelingen die vielen leidenschaftlich erregten Volkschöre mit dem dramatischen Höhepunkt "Nicht diesen, sondern Barrabam!", der in den zwei großen "Kreuzige ihn"-Chören nochmals gesteigert wird. Vollkommen bewusst setzt der Chor in Trost spendenden Chorälen dem feine Lyrik entgegen. Besonders verhalten begleitete dann das neu gegründete Orchester Nordrhein Baroque, das hier erstmals auf Originalinstrumentarium zu hören war.

Es setzt sich aus professionellen Alte-Musik-Kennern aus der ganzen Republik zusammen, die auch in anderen Formationen wie "l'arte del mondo" spielen. Der Berliner Simon Böckenhoff etwa löste vor einigen Jahren einen großen Medienrummel aus, weil ihm seine wertvolle Oboe d'amore entwendet worden war. Er und seine Kollegen schufen vor allem in der solistischen Begleitung der Arien stimmige Glanzpunkte.

Unter den Vokalsolisten ragte - wie auch im Jahre 2008 - der Essener Andreas Post (Tenor) heraus. Er gestaltete die umfangreiche Rolle des Evangelisten in überzeugender Interpretation, wechselte, wann immer möglich, vom sachlichen ins dramatische Fach und klagte bei Petrus' dreimaliger Verleugnung unter die Haut gehend "und weinete bitterlich".

Aber auch die anderen Besetzungen konnten in hohem Maße befriedigen: Ruhig und hoheitsvoll formuliert Sebastian Klein (Bass) die Worte Jesu, Dorothea Jakob (Sopran) folgte "mit freudigen Schritten" fast heiter bewegt, Angela Froemer (Alt) sang ergreifend "Es ist vollbracht", die weiteren Arien waren Leonhard Reso (Tenor) und Achim Hoffmann (Bass) bestens anvertraut. Nachdem der Chor den versöhnlich wehmütigen Schlusschoral gesungen hatte, herrschte unter den gut 200 Zuhörern lange ergriffene Stille.

(NGZ)