Bevölkerungsprognose: Zahl der Neusser pendelt sich bei 160.000 ein

Bevölkerungsprognose für Neuss bis 2050 : Zahl der Neusser pendelt sich bei 160.000 ein

Die Verwaltung hat die Entwicklung der Bevölkerungszahl bis 2050 berechnet. Die Erkenntnisse sollen Planungssicherheit geben.

In der Stadt müssen bis 2030 drei neue Altenheime errichtet werden. Denn die Zahl der Pflegebedürftigen wächst, weil die Stadtbevölkerung immer älter wird. Von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 82,6 Jahren bei Frauen und 78 Jahren bei Männern spricht Charlotte Hohn, die im Amt für Wirtschaftsförderung, der Statistikstelle der Stadt, die zuletzt 2012 aktualisierte Bevölkerungsprognose neu durchgerechnet hat. Danach stellte sie eine Gesamtannahme der alten Prognose als überholt dar. Die Annahme nämlich, dass Neuss „schrumpfen“ wird.

Bei allen Unwägbarkeiten, denen eine bis ins Jahr 2050 reichende Prognose unterworfen ist, zieht Bürgermeister Reiner Breuer aus dem Bericht zwei wesentliche Erkenntnisse: Die Bevölkerungsentwicklung bleibt stabil. Und: Die Zahl von 160.000 Einwohnern wird nicht, oder zumindest nicht nennenswert, überschritten. Ballungsraum hin oder her. Beide Aussagen bewertet Bürgermeister Reiner Breuer positiv: „Das gibt uns Planungssicherheit“. Die Gefahr, dass die Infrastruktur, in die die Stadt viel Geld investiert hat und weiter investieren muss, irgendwann zu groß für eine schrumpfende Bevölkerung und damit auch zu teuer wird, besteht nicht. Und, fügt Breuer hinzu: „Wir bleiben überschaubar.“

Die Prognose fußt auch auf der Beobachtung, dass die Geburtenzahlen seit einigen Jahren wieder steigen. Ein Trend, der mindestens noch einige Jahren anhalten und sich dann auch nur leicht abschwächen wird. Deutsche Frauen würden sich wieder öfter für ein drittes Kind entscheiden, nennt Hohn einen Grund – und spricht sogar von einem Trend. Ein kleiner Baustein sei sicher aber auch, dass Flüchtlinge, die dauerhaft in Neuss bleiben dürfen, nach dieser Entscheidung ihre oft aufgeschobenen Familienpläne Realität werden lassen.

Entscheidend für die prognostizierte stabile Bevölkerungsentwicklung ist aber aus ihrer Sicht, dass der Zuzug aus anderen Regionen des Landes – die Binnenwanderung – anhält. Aktuell stehen den 7000 Zuzügen jährlich 6600 Menschen gegenüber, die Neuss verlassen. Das Wanderungssaldo ist also positiv. Bis 2025 werden sich beide Zahlen einander annähern, die Stadt also moderat wachsen. Danach rechnen die Statistiker mit moderaten Bevölkerungsverlusten. Das allerdings dann langfristig bis 2050 – und vorerst unumkehrbar.

All diese Annahmen sind aber an die Bedingung gebunden, dass die Stadt ihre Hausaufgaben mache, erklärt Breuer. Dazu gehöre etwa, für Bauland und Wohnraum zu sorgen. Die Bevölkerungsprognose zeigt aber auch andere Handlungsfelder auf, etwa für die Sozialpolitik. Denn eine Erkenntnis der Studie ist, dass die Gruppe der Senioren immer größer werden wird. Der flächendeckende Aufbau von Lotsenpunkten, über die die Stadt mit ihren Angeboten für Senioren in den Stadtteilen erreichbar bleibt, ist schon eine Reaktion darauf.

Fast mit Erleichterung wurde ferner festgestellt, dass die Prognosezahlen den Annahmen, die etwa der Schul- oder Kindergartenbedarfsplanung zugrunde gelegt wurden, nicht zuwiderlaufen. Die beschlossene Ausbauplanung weist also in die richtige Richtung.

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