Beuys-Schüler gestorben: Trauer um Künstler Anatol in Neuss und Düsseldorf

Insel Hombroich - Neuss : Kunstwelt trauert um Bildhauer Anatol

Er war Schmied, er war Polizist, er war Künstler: der Bildhauer Anatol Herzfeld ist tot. Der Beuys-Schüler, der seit langem auf der Insel Hombroich in Neuss arbeitete, ist am Freitagabend im Alter von 88 Jahren gestorben.

Holz, Eisen, Stein - das waren seine Materialen. Er schuf monumentale „Wächter“-Figuren, riesige Stuhl-Kreise, übergroße Köpfe aus Granit. „Anatol“, bürgerlich Karl-Heinz Herzfeld, gehörte zu den Künstlern der ersten Stunde auf der Insel Hombroich, nachdem der Düsseldorfer Kunstsammler Karl-Heinrich Müller den verwilderten Park an der Erft in Neuss 1982 erworben hatte, um dort Ateliers und Ausstellungsräume für Kunst im Einklang mit der Natur zu schaffen.

Am Freitagabend ist Antol gestorben. Die Neusser Kulturdezernentin Christiane Zangs und Willi Petzold, früherer Geschäftsführers des Museums Insel Hombroich, haben die traurige Nachricht bestätigt, viele befreundete Künstler und Bewunderer des Bildhauer reagierten mit großer Anteilnahme in Kondolenz-Botschaften in den sozialen Medien.

Die „Wächter“, große Stahlskulpturen, stehen auf der Insel Hobroich und vielerorts - auch im Rhein-Kreis Neuss - im öffentlichen Raum. Foto: dpa/Horst Ossinger

Bekannt wurde Anatol 1972, als er mit seinem Lehrer Joseph Beuys in einem selbst geschnitzten Einbaum über den Rhein fuhr. Damals ging es darum, Beuys die Rückkehr an die Kunstakademie in Düsseldorf zu ermöglichen. Ein Jahr zuvor war Beuys vom damaligen Ministerpräsident Johannes Rau als Professor an der Akademie entlassen worden. Ohne Beuys und sein Konzept des erweiterten Kunstbegriffs wäre Anatols Schaffen und Werk kaum denkbar: Einfaches Arbeiten mit bloßen Händen, Bildhauerei mit schweren, groben Materialien, verbunden mit dem Erzählen von Geschichten - das sind Schwerpunkte seiner Arbeit, die immer auch Bezug nahm auf politische und gesellschaftliche Themen.

In Meerbusch setzte Anatol seinem Lehrer Joseph Beuys ein Denkmal. Foto: Lothar Berns/Berns, Lothar (lber)

Im Rhein-Kreis Neuss finden sich seine Arbeiten nicht nur auf der Insel Hombroich. Eine großer Granitkopf liegt am Rheinufer bei Meerbusch und zeigt seinen Lehrer Joseph Beuys. Übermannshohe rostige "Wächter" stehen nicht nur an der Erft, sondern auch vielerorts im Kreisgebiet, so zum Beispiel im Innenhof des Neusser Rathauses.

Dass Anatol als Künstler Karriere machen würde, war zunächst alles andere als absehbar. Aus Insterburg in Ostpreußen stammend, verschlug es ihn mit seiner Familie in den Wirren des Zweiten Weltkrieges ins Rheinland, wo er sich zunächst zum Schmied ausbilden ließ und dann in den Polizeidienst eintrat. Von 1953 bis 1991 blieb er dort, eingesetzt vor allem als Verkehrspolizist mit einem besonderen Schwerpunkt: Mit einem Puppenspiel zog er durch Düsseldorfer Schulen und brachte den Kindern die Verkehrsregeln bei.

Daneben interessierte sich Anatol für Kunst, knüpfte Kontakte in die Kulturszene. Die Künstler Norbert Tadeusz und Peter Heisterkamp, genannt Blinky Palermo, machten ihn mit Joseph Beuys bekannt - eine Beziehung, die sein Leben prägen sollte. Von 1964 und 1972 studierte Anatol bei Beuys Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Für sein Schaffen wurde Anatol mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und dem Lovis-Corinth-Preis, aber auch mit der Ernennung zum Polizei-Oberrat h.c.

Die Nationalgalerie in Berlin stellte seine Werke aus, mehrmals beteiligte er sich an der „documenta“ in Kassel. Zu seinen bekannten Werken im öffentlichen Raum im Rhein-Kreis gehören neben dem Beuys-Kopf am Rheindeich bei Büderich „Die Kirche“, 30 Findlinge auf der Insel Hombroich, und „Das Parlament“, 27 Stühle aus Stahl, ebenfalls auf der Museumsinsel.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Abschied von Anatol

(ki-)
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