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Betreuungsangebot: Der Stadt Neuss fehlen aktuell 300 Kita-Plätze

Ausbau des Kita-Angebotes in Neuss stockt : Stadt fehlen aktuell 300 Kita-Plätze

Die Suche nach Personal, nach Betreibern und Flächen behindert den Ausbau des Betreuungsangebotes in Kindergärten. Zu alledem muss die Stadt jetzt einen Kraftakt schaffen, damit im August kein Kind unbetreut bleibt.

Zum Beginn des Kindergartenjahres Anfang August fehlen im Stadtgebiet nach derzeitigem Stand rund 300 Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen. Davon geht Jugenddezernent Ralf Hörsken angesichts von 2687 Vormerkungen über den Kita-Navigator der Stadt aus. Ähnlich brenzlig war die Situation auch im vergangenen Jahr, als 200 Kinder ohne Betreuungsplatz zu bleiben drohten. Mit einem Kraftakt konnte die Stadt damals erreichen, dass am Ende jeder Kita-Wunsch erfüllt werden konnte. Doch Hörsken ist skeptisch, dass das noch einmal gelingen kann.

Von Krise spricht man im Rathaus aber nicht, denn eine Ursache für den Mangel an Kita-Plätzen ist eine sehr positive: Neuss wächst – und das nicht durch Zuzug, sondern durch immer mehr Geburten. Fast 9500 Kinder im so genannten Vorschulalter weist die Bevölkerungsstatistik aus. Hörsken rechnet damit, dass der Trend bis 2024 anhält, allerdings „nicht mehr so rasant“.

Zur steigenden Kinderzahl kommt noch hinzu, dass immer mehr Kinder auch der jüngsten Jahrgänge an einer Kita angemeldet werden. Als er vor drei Jahren seinen Dienst bei der Stadt antrat, erinnert Hörsken, lag die Quote bei Kindern unter drei Jahren bei 37,9 Prozent, aktuell nähert sie sich – schneller als prognostiziert – den 50 Prozent an.

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Über die 6500 im August zur Verfügung stehenden Kita-Plätze hinaus müssten aus Sicht der Stadt mittelfristig 1000 weitere neu geschaffen werden. In der Sprache der Planer heißt das: 70 Gruppen in 17 neuen Kitas bis zum Jahr 2024. „Das Ausbauergebnis mit 13 neuen Kitas seit 2015 ist durchaus vorzeigbar“, sagt Hörsken. Das entspricht 60 zusätzlichen Gruppen. „Aber das reicht nicht“, stellt er fest.

Einem schnellen Erfolg stehen aber drei Probleme im Weg: Die Suche nach Grundstücken, nach Trägern und nach Personal. „Gerade die Personalfrage wird das wesentliche Problem bei der Kita-Sicherung sein“, sagt Hörsken. Das lässt sich an mehreren Punkten ablesen. So berichtet Hörsken zum Beispiel von zwei Kita-Provisorien, die nicht an den Start können, weil kein Personal zu finden ist. Und im Kreis gebe es schon eine erste Kita, die die Öffnungszeiten reduzieren musste, weil sie mit ihrem Personal keine Betreuung für 45 Wochenstunden abbilden kann. Für Diskussionen, die Öffnungszeiten flexibler zu machen und die Kitas morgens früher und abends länger zu öffnen, sieht Hörsken daher wenig Raum.

Mindestens ebenso schwierig ist die Standortfrage zu lösen. Wöchentlich tagt inzwischen ein Arbeitskreis „Kita“ im Rathaus, an dem auch Planungsdezernent Christoph Hölters teilnimmt. Er hat bislang 140 Standorte geprüft, ob dort eine Kita errichtet werden könnte. Einzige „Tabuzone“ seien nach Hörskens Darstellung dabei die Kirmesplätze. Die anzurühren, „überlebt man politisch nicht“.

Wie schwierig die Akquise freier Flächen für eine Kita ist, erkennt Hörsken auch daran, dass immer wieder Investoren bei ihm vorstellig werden, die diesen Job erledigen und Kitas bauen wollen. Gehört hat er danach von keinem mehr etwas.

Dass die Kitas -– wie die an der Carlo-Mierdendorff-Straße in Weckhoven, die am kommenden Samstag Eröffnung feiert – zweigeschossig gebaut werden, ist nur der Versuch, Flächen zu sparen. Inzwischen sieht sich die Stadt gezwungen, auch Grünanlagen für einen Kita-Bau zweckentfremden zu müssen. Allein fünf Mal wurde dabei auf einen Bolzplatz zugegriffen. „Das fällt mir als Jugenddezernent verdammt schwer“, sagt Hörsken.