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Besuch bei Bettina Jahnke, Ex-Intendantin aus Neuss, heute Hans-Otto-Theater Potsdam

Ehemals Intendantin in Neuss : Intendantin Bettina Jahnke bleibt sich treu – auch in Potsdam

Das Bild in ihrem Büro ist  nicht zu übersehen. Prominent hängt es über der Besuchercoach und erinnert sie täglich an Neuss, weil der Blick vom Schreibtisch aus genau auf das große Szenenfoto fällt.

Falls er nicht nach draußen abdriftet, wo der Tiefe See mit Schloss Babelsberg am anderen Ufer zu jeder Tages- und Jahreszeit seinen besonderen Reiz hat. Aber die überdimensionale Aufnahme einer Szene aus „Hiob“ von Joseph Roth, den Bettina Jahnke am RLT im März 2018 inszenierte, hat eine besondere Bedeutung: „Ich liebe das Stück“, sagt sie.

Und doch: Bettina Jahnke ist wieder zu Hause. Nach eineinhalb Spielzeiten als Intendantin am Hans-Otto-Theater (HOT) in Potsdam weiß sie das genau. Familiär allemal, denn Mutter und zwei Brüder leben in der Nähe, aber auch sonst lässt sie daran keinen Zweifel. Nicht, weil Neuss nur eine Episode war – dafür zeigt sie sich viel zu interessiert an allem, was mit der Stadt zu tun hat, hat zudem Kontakte zu Menschen aufgebaut, die auch den Weg nach Potsdam nicht scheuen  –, aber es ist einfach so, dass ihr die Mentalität der Potsdamer/Brandenburger mehr liegt.

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Nie aber würde sie die Bedeutung der neun Jahre am RLT für ihr Leben schmälern. Das Neusser Theater bedeutet für sie schließlich: die erste Intendanz, das erste Mal ein Landestheater leiten, das erste Mal einem kompletten Team vorstehen und das erste Mal künstlerische Entscheidungen in eigener Verantwortung treffen. Und doch hat sie in Potsdam den gleichen Anfängerfehler wie in Neuss gemacht.

„Ich kann wohl nicht anders“, sagt sie und lacht. 23 Premieren in der ersten Spielzeit, dazu das Klinkenputzen, die vielen eigenen kleinen Aktionen, das war alles so viel, dass sie nun ein bisschen an der Reißleine gezogen hat: 20 Premieren stehen aktuell auf dem Spielplan, in der nächsten Spielzeit werden es voraussichtlich 19 sein. Zwei davon werden wie schon in Neuss von ihr inszeniert.

Ob Ensemble (mit 25 Mitgliedern), ob Werkstätten  oder Verwaltung – alle hätten bis zum Anschlag gearbeitet, sagt sie und ist sich der Verantwortung bewusst, die sie auch als Arbeitgeberin hat. Anders als in Neuss, wo sie einem Trägerverein verpflichtet war, muss sie ihr Tun nun einem Aufsichtsrat erklären. Bisher mit wenig Problemen, sagt sie und meint damit ebenso solche politischer Natur wie auch menschlicher. Kommunikation ist für Jahnke auch in Potsdam das A und O. Sehr zum Erstaunen anderer, wie sie festgestellt hat: „Dass Türen im Theater offenstehen, gab es vorher nicht.“ Das gleiche galt für die anderen Institutionen rund um das HOT im Kultur- und Kunstquartier.  „Es macht doch keinen Sinn, gegeneinander zu arbeiten“, sagt sie ganz pragmatisch und  findet es richtig, dass die an ihrem Theater starke Sparte  Kinder- und Jugendtheater Kinder ab sechs Jahre anspricht.  Die Jüngeren werden beim HOT-Nachbarn T-Werk bedient.

Überhaupt ist sie mit der Auslastung des HOT zufrieden: „Die Zuschauer rennen uns die Bude ein“, sagt sie locker, kann auch verschmerzen, dass die Kritiker da nicht immer mitziehen. Für sie ist wichtig, was sie auch in Neuss schon wollte: Theater für eine Stadt zu machen. Darin sieht sie sich auch in Potsdam bestärkt.