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Neuss: Beschwerden wegen Öl-Gestank häufen sich

Neuss : Beschwerden wegen Öl-Gestank häufen sich

Familie Tiburzy hat eine schlaflose Nacht hinter sich. "Das war die schlimmste, die wir hier in Neuss bisher erlebt haben", sagt Ralf Tiburzy (50). Grund war ein beißender Geruch, der vom Hafen bis ins Schlafzimmer der Tiburzys an der knapp zwei Kilometer entfernten Niederstraße zog – trotz geschlossener Fenster und Türen.

Familie Tiburzy hat eine schlaflose Nacht hinter sich. "Das war die schlimmste, die wir hier in Neuss bisher erlebt haben", sagt Ralf Tiburzy (50). Grund war ein beißender Geruch, der vom Hafen bis ins Schlafzimmer der Tiburzys an der knapp zwei Kilometer entfernten Niederstraße zog — trotz geschlossener Fenster und Türen.

Wegen des Geruchs, den die Tiburzys mit dem Gestank von faulen Eiern vergleichen, habe sich Mutter Blanca Nieves (39) sogar übergeben müssen. "Ein Freund, der auch an der Niederstraße wohnt, klagte ebenfalls über Übelkeit und Kopfschmerzen", erzählt Tiburzy. Ähnlich ging es seinem Neffen Uwe Jansen (43) von der Hermannstraße.

In den vergangenen Tagen sind beim Umweltamt des Rhein-Kreises als Untere Immissionsschutzbehörde mehrere hundert Beschwerden wegen des Geruchs eingegangen — aus Neuss sowie den linksrheinischen Düsseldorfer Stadtteilen Heerdt und Oberkassel.

Grund ist die neue Presserei, die die Ölmühle O. & L. Sels GmbH & Co. KG an der Düsseldorfer Straße gebaut hat. Dort wird unter anderem Speiseöl produziert. Damit die Saat (etwa Soja) ausgepresst werden kann, muss sie erwärmt werden, dabei entstehen unangenehme Gerüche. "In den vergangenen Monaten haben wir vieles getan, um das zu minimieren", sagt Betriebsleiter Fernando Santos. So würden etwa die Dämpfe gefiltert, unter anderem mit einem Bio-Filter. 2007/08 wurde ein neuer Abluftkamin gebaut.

Gestern waren Vertreter des Umweltamtes bei der Firma vor Ort. "Es wurde darüber gesprochen, etwa die Abgaswäscher zu verbessern", sagt Kreisdezernent Nicolas March. Weitere Maßnahmen seien angedacht, Genaueres wollte er aber noch nicht sagen. Gesundheitsgefährdend sind die Gerüche laut Umweltamt "definitiv nicht", was Santos ebenfalls betont.

Das Unternehmen will offen und transparent mit dem Problem umgehen. "Wir tun alles, damit es besser wird und bitten nur noch um etwas Zeit", sagt Santos. Wie lange es dauern wird, bis die Anfahrprozesse der neuen Presserei so optimiert sind, dass der Geruch in der derzeitigen Intensität und Häufigkeit reduziert wird, ist laut Santos schwer zu sagen. "Es kann eine Sache von Wochen sein", sagt der Fachmann des Neusser Traditionsunternehmens. Er rechnet aber damit, dass es durch einzelne Maßnahmen von Tag zu Tag besser werde.

Jetzt könnte die Situation für die Tiburzys und die Neusser aber dagegen erstmal drastischer werden. Denn der Wind hat auf Richtung Nordost gedreht und trägt den Geruch weiter in die Innenstadt.

Glück wäre das nur für die Düsseldorfer — für die Familie Tiburzy nicht, die hofft, dass das Unternehmen schnell Abhilfe schafft. "Wir haben schon den Eindruck, dass es im vergangenen halbem, Dreivierteljahr schlimmer geworden ist und häufiger riecht", sagt Ralf Tiburzy. Mittlerweile überlegen sie sogar, aus der Neusser Innenstadt ganz wegzuziehen.

(NGZ/rl)