Neuss: Bergwacht rettet Neusser Pfadfinder in Österreich

Neuss : Bergwacht rettet Neusser Pfadfinder in Österreich

Wanderer waren "völlig erschöpft und dehydriert". Leiter wehrt sich gegen den Vorwurf, die Gruppe hätte nichts zu trinken dabei gehabt.

Sechs Pfadinder vom Stamm Alfred Delp mussten am Samstag in den oberösterreichischen Alpen aus Bergnot gerettet werden. Sie hatten sich im Dachsteinmassiv beim Abstieg vom 2100 Meter hohen Krippenstein verirrt. Als sie den Irrtum Stunden später bemerkten, waren sie bereits völlig erschöpft und dehydriert, wie es im Einsatzbericht der Bergwacht Obertraun heißt. Weil die Gruppe - zwei Betreuer und vier Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren - den Weg nicht alleine fortsetzen konnte, alarmierte sie die Bergrettung, die die Wanderer mit einem geländegängigen Fahrzeug (Quad) abholte. Verletzt wurde niemand.

Die Geschichte von den Pfadfindern aus Neuss, die in den Bergen den markierten Pfad verloren hatten und die Bergwachtführer Alfred Höll tags drau zum "Himmelsrichtungen lernen" einbestellen wollte, machte in Österreich landesweit Schlagzeilen. Und alle Medien übernahmen den Vorwurf der Bergwacht, dass die Wanderer "wohl nichts zu trinken bei sich hatten" und deshalb in diese gefährliche Lage gekommen waren. "Das stimmt nicht", hält Stammesleiter Stefan Kiener dagegen, der das Ferienlager in der Nähe von St. Georgen im Salzkammergut leitet. "Die Gruppe hatte die ganze Ausrüstung dabei - Wanderschuhe, Sonnencreme und sogar eine Extraration Wasser", sagt er - allerdings war die irgendwann aufgezehrt.

Zum Heilbronner Rundwanderweg (o.) fuhren die Neusser mit der Krippenstein-Seilbahn auf, verliefen sich aber beim Abstieg. Foto: Leo Himsl/Dachstein Tourismus AG

Am späten Vormittag war die Feriengruppe mit 37 Personen bei schönstem Wanderwetter mit der Seilbahn auf den Krippenstein aufgefahren. Die Bergstation sollte Ausgangspunkt für eine Tour über den "Heilbronner Rundwanderweg" sein, der mit acht Kilometer Strecke bei 400 zu überwinden Höhenmetern in drei Stunden zu bewältigen sein soll. Aber schon am Startpunkt trennte sich die Gruppe.

Zum Heilbronner Rundwanderweg (o.) fuhren die Neusser mit der Krippenstein-Seilbahn auf, verliefen sich aber beim Abstieg. Foto: Leo Himsl/Dachstein Tourismus AG

"Zwei Teilnehmern ist die Auffahrt mit der Gondel nicht gut bekommen", berichtet Kiener. Die hatte so geschaukelt, dass diese Wanderer beschlossen, lieber zu Fuß ab-, als noch einmal in diese Gondel einzusteigen. Weil beide nicht alleine gehen wollten, schlossen sich ihnen vier Freiwillige an. Allerdings übersahen sie an einer Kreuzung die richtige Wegmarkierung und liefen, liefen, liefen, bis sie am Heilbronner Kreuz ankamen - wo an eine zehnköpfige Schülergruppe erinnert wird, die dort vor 60 Jahren ums Leben kam.

Ironie der Geschichte: Die Bergwacht brachte die aufgegabelten Wanderer nicht ins Tal, sondern zur Bergstation der Krippensteinbahn, wo die Neusser - Höhenangst hin oder her - dann doch in die Gondel steigen mussten. Immerhin können sie aber behaupten, eine Sonderfahrt genossen zu haben. Denn als sie gegen 18 Uhr an der Bergstation eintrafen, hatte der Lift schon den Betrieb eingestellt. Drei Mitarbeiter des Unternehmens wurden aus dem Feierabend geholt, um die Seilbahn erneut in Gang zu setzen. Außer ihnen wurden ein Beamter der Alpinen Einsatzgruppe Gmunden und sieben Mann vom Bergrettungsdienst Obertraun alarmiert. Kiener hofft, dass für diesen Aufwand nun eine Versicherung zahlt.

(NGZ)
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