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Schraubenfabrik Whitesell in Neuss: Belegschaft demonstriert gegen Werksschließung

Schraubenfabrik Whitesell in Neuss : Belegschaft demonstriert gegen Werksschließung

Die 300-köpfige Belegschaft der traditionsreichen Neusser Schraubenfabrik wehrt sich gegen einen angekündigten Jobabbau und stemmt sich gegen drohende Werksschließungen in Neuss und anderen Standorten der Gruppe in Deutschland. In einer Demonstration mit über 300 Teilnehmern am Pfingstsamstag forderten Gewerkschaft, Arbeitnehmer und Politik den amerikanischen Investor Whitesell, der die Firmengruppe zum 1. Januar aus einem laufenden Insolvenzverfahren heraus übernommen hat, auf, das Unternehmen wieder frei zu geben.

Hintergrund ist die Sorge, dass dem Automobilzulieferer durch eine verfehlte Kundenpolitik letztlich die wirtschaftliche Basis entzogen wird. "Whitesell verhält sich beim Kunden wie die wilde Sau", bezeichnete IG-Metall-Geschäftsführer Heiko Reese den Versuch des neuen Besitzers, mit dem Mittel eines Lieferstopps am Markt höhere Preise und neue Zahlungsbedingungen durchzusetzen. "Man baut keine langfristige Kundenbindung auf, in dem man diesem die Pistole auf die Brust setzt", sagte Reese. Zumal diese Strategie nach Darstellung von Gewerkschaft und Betriebsrat zu keinem Erfolg führt. Im Gegenteil: "Bei Volkswagen hat kein einziges Band stillgestanden", berichtete der Betriebsratsvorsitzende Karlheinz Salzburg, stattdessen hätte sich der Automobilkonzern schon anders orientiert.

Auch Ford als Großkunde sei so verloren, andererseits aber kein einziger Kundenvertrag neu geschlossen worden. Weil diese Strategie nur in dem Ruin münden kann, soll sich der US-Investor von seiner deutschen Tochter trennen — selbst wenn diese dadurch erneut in die Insolvenz gehen müsste. Aber, das hat das Unternehmen schon zweimal durchgestanden, ohne dass sich ein Kunde abgewandt hat, hieß es am Samstag. Bei der Kundgebung auf dem Markt stellten sich auch fast alle Ratsfraktionen hinter die Whitesell-Mitarbeiter und ihre Forderungen. Vertreter des Investors oder der amtierenden Werksleitung sprachen auf der Kundgebung nicht zu den Vorwürfen. Sie hatte noch am Freitag per E-Mail eine Mitarbeiterinformation verbreitet, in der sie, so kommentierte Reese den Inhalt, versucht, "Arbeitnehmern und Gewerkschaft die Schuld in die Schuhe zu schieben."

(ac)