Neuss: Beispielhafte Kunst im öffentlichen Raum

Neuss: Beispielhafte Kunst im öffentlichen Raum

Das Buch "Skulpturen in Neuss" steht für den Auftakt zu einer Art Pflegeprogramm für die Kunst im öffentlichen Raum. Sie steht künftig unter intensiver Beobachtung des Kulturamts, soll gepflegt und gewartet werden.

Einen Anspruch auf Vollständigkeit hat das Projekt nie gehabt, aber es steht für eine Aufgabe, die sich das Kulturamt unter seinem Leiter Harald Müller auf die Fahne geschrieben hat: Pflege und Bewahrung der Kunst im öffentlichen Raum. Seit einigen Wochen ist jetzt das Buch "Skulpturen in Neuss" auf dem Markt, das unter kunstwissenschaftlichen und historischen Aspekten 28 Skulpturen vorstellt und auch das Ende eines langen Prozesses markiert.

Denn Harald Müller gesteht unumwunden, dass ihn das Thema keineswegs von Beginn an beschäftigt hat. Mindestens zehn Jahre sei es jetzt her, dass die damalige und inzwischen verstorbene Kulturpolitikerin der CDU, Gertrud Minkenberg, mit der Idee an ihn herangetreten sei, erzählt er. "Aber damals war die Zeit für mich dafür noch nicht reif. Ich fand es spannend, aber hatte nicht das rechte Verhältnis dazu und auch gar nicht die Ressourcen."

Vor rund drei Jahren gab ein Vortrag von Christoph Brockhaus, ehemals Chef des Duisburger Lehmbruck-Museums, vor der Unesco ihm einen richtigen Schub. Wer Kunst im öffentlichen Raum präsentiert, muss sich darum kümmern - das ist in verkürzten Worten das Fazit, das bei Müller das Buchprojekt wieder höchst lebendig werden ließ und in der Folge auch zu einem Grundsatzpapier über den Umgang mit Kunst führte, an dem Müller federführend arbeitete und das inzwischen mit Modifikationen auch vom Deutschen Städtetag verabschiedet wurde.

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Ein qualitativ hochwertiges Buch wie "Skulpturen in Neuss" ist darin natürlich nicht als Muss festgeschrieben, wohl aber die Pflege der Kunstwerke. Die geht auch Müller - vor allem mit Hilfe seines Mitarbeiters Christian Weber - konsequenter denn je an und sorgt dafür, dass beschmutzte Kunstwerke auch gereinigt werden und ein Graffitischutz aufgetragen wird. "Das geht nur nach und nach", sagt er fast entschuldigend, und wo es möglich ist, animiert er auch andere. So hat er etwa im Quirinus-Gymnasium dafür geworben, dass die Schüler sich darum kümmern, Schmierereien von Ladis Schwartz' Bronzeplastik zu entfernen: "Und das hat auch geklappt", sagt er hocherfreut.

Schwartz' Arbeit aus dem Jahr 1980 gehört auch zu den 28 vorgestellten im Skulpturen-Buch. Ausgesucht wurden die Beispiele von einem Gremium, dem auch Müller angehörte. Symptomatisch für Stil und Geschmack ihre Entstehungszeit sollten sie sein, historisch wie kunstwissenschaftlich bedeutend. Die Zeitspanne reicht von den 1950er Jahren bis heute. Und so finden sich in dem Buch auch Kunstwerke, die keineswegs im zentralen Blick stehen. Friedel Deneckes "Freunde und Erkennungszeichen" (1977) auf der Furth zum Beispiel, oder Anatols "Demokratie 5" (1986) am Polizeipräsidium. Die Abbildungen gehen dabei weit über den dokumentarischen Charakter etwa jener aller Kunst im öffentlichen Raum auf der städtischen Homepage (www.neuss.de/kultur/museen-und-kunst/skulpturen-im-oeffentlichen-raum) hinaus. "Wir wollten einen künstlerischen Blick auf die Werke", sagt Müller - und hat deswegen den Fotokünstler Fabio Borquez engagiert. Layoutet wurde das Buch von der Grafikdesignerin und Neusser Kunstförderpreisträgerin Lena Gruschka.

(NGZ)
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