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Beim Zeughauskonzert Neuss war der junge Trompeter Simon Höfele zu Gast.

Konzert in Neuss : Ein Klangzauberer auf der Trompete im Zeughaus

Beim „Besonderen Abend“ im Rahmen der Zeughauskonzerte war der junge Trompeter Simon Höfele zu Gast.

Das hatte auch in Neuss absoluten Seltenheitswert: Innerhalb einer Woche gastierten zwei Weltklasse-Trompeter in der Quirinusstadt. Ludwig Güttler (76) spielte in der Christuskirche, Simon Höfele (26) beim „besonderen Abend“ im Rahmen der Zeughauskonzerte. Beide trennt nicht nur ein halbes Jahrhundert, sondern auch die Musik: Hier der Barockmeister, im Zeughaus der junge und moderne Trompeter.

Er gilt als eines der größten Talente auf seinem Instrument, war in Förderprogrammen von SWR und BBC und hat unmittelbar vor seinem Auftritt in Neuss in der Elbphilharmonie Hamburg in der Reihe „Rising Stars“ gespielt. Im „Deuxième Solo de Concours“ für Trompete und Klavier zeigt er gleich zu Beginn, zu welch technischen Finessen er fähig ist. Der belgische Komponist Théo Charlier, der 32 Jahre Trompetenlehrer am Königlichen Konservatorium in Lüttich war, fordert nämlich alles, was modernes Trompetenspiel ausmacht. Dagegen war die Romanze „Crépuscule“ des Franzosen Gabriel Parès ein Tranquilizer.

Den künstlerisch versierten Spieler fordert der rumänische Komponist mit seiner „Légende“ für Trompete und Klavier, die er 1906 für einen Trompetenwettbewerb am Pariser Konservatorium schrieb. Die technischen Herausforderungen meistert Simon Höfele mühelos, gefühlvoll passt er die Dynamik an. „Natürlich kann ich laut, aber leise spiele ich besonders gerne“, sagt der Solist.

Ein spannendes Werk, das die Klangfülle des Instrumentes voll ausnutzt, ist die „Sonate für Trompete und Klavier“ (von 1951) des Amerikaners George Antheil. Der Sohn deutscher Einwanderer verlangt ebenfalls feinste dynamische Abstufungen, die wunderbare Melodie im „Dolce“ bei mildem Klangambiente lässt kaum nachvollziehen, weshalb der Komponist wegen etlicher Skandale in Paris den Beinamen „Bad Boy“ hatte.

George Gershwins „Rhapsody in Blue“ in einem mitreißenden Arrangement für Trompete und Klavier des ukrainischen Komponisten Timofei Dokschitzer ließ das Zeughaus jubeln. Fabelhaft am Flügel begleitete die estnische Pianistin Kärt Ruubel, die seit 2008 in Deutschland lebt und in Rostock studiert hat. Sie stellte sich mit zwei Klavierwerken vor, einem eher harmlosen Salonstück von Maurice Ravel, faszinierend aber ihre Meisterschaft bei der äußerst schwierigen „Toccata“ von Sergej Prokofjew, die – 1912 verfasst – ihrem Namen alle Ehre macht.

„Der besondere Abend“ der Zeughauskonzerte ist zugleich auch WDR-Kammerkonzert und wurde vom Kölner Sender live mitgeschnitten. Unbedingt reinhören: am Donnerstag, 20. Februar, um 20.04 Uhr auf WDR3.