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Beim Neusser Kulturtreff beschäftigt sich Marius Jung mit dem Respekt

Neusser Kulturtreff der Adenauer-Stiftung : Respekt – Auch eine Frage der Hautfarbe?

Marius Jung, dunkelhäutiger Sohn eines amerikanischen Soldaten, war beim Neusser Kulturtreff zu Gast.In seinem Referat legte er auch Beweise für einen strukturellen Rassismus in der Werbung vor.

Der Neusser Kulturtreff, vom  Regionalbüro Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung unter Schirmherrschaft des Neusser Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe (CDU) digital veranstaltet, widmete sich in seiner jüngsten Ausgabe dem Thema „Respekt!“, also dem verantwortungsvollen Umgang miteinander. Dazu hatten die Initiatoren den Schauspieler und Kabarettisten Marius Jung (55) eingeladen, der „wirklich weiß, worüber er redet“, wie die Moderatorin Michaela Rensing ankündigte.

 Marius Jung (hier ein Archivbild) war bei der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Gast.
Marius Jung (hier ein Archivbild) war bei der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Gast. Foto: Stadt Korschenbroich

Marius Jung engagiert sich seit vielen Jahren für Themen rund um den „Rassismus“. Dabei kokettiert er vor allem mit seinem Aussehen als dunkelhäutiger Sohn einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Soldaten. Er ist in Trier geboren und lebt in Köln, also ein echter Rheinländer. Deshalb schmerzt es ihn besonders, wenn er gefragt wird: „Woher kommen du?“ Die Reduktion der Sprache, damit sie auch der „schwarze Mann“ versteht, ist für ihn von besonderem Übel: „Man gibt mir damit sofort zu verstehen: Du bist nicht Teil dieser Gesellschaft.“ Fast noch schlimmer: „Geh dahin zurück, wo du hergekommen bist!“

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Aus diesen wenigen Worten spricht, so sagt der Kabarettist, die vollkommene Verachtung. Das verdeutlicht auch die kleine Lesung „Besuch im Krankenhaus“ aus seinem satirischen Buch „Singen können die alle! - Handbuch für Negerfreunde“. Besonders der Untertitel hatte bei seinem Erscheinen im Dezember 2013 zu heftigen Kontroversen geführt – in einer Zeit, in der in Astrid Lindgrens Klassiker der Vater von Pippi Langstrumpf vom „Negerkönig“ zum „Südseeherrscher“ mutierte.

Für Marius Jung ist klar: „Vorurteile haben wir alle. Wer sie nicht hat, ist zwei Jahre alt oder lügt sich in die Tasche.“ Aber: Es komme darauf an, seine Vorurteile immer wieder zu überprüfen. Es gebe keine Rassen, aber genetische Vielfalt. „Rassismus ist kein wissenschaftlicher Begriff, sondern entstammt der Sprache der Kolonialisten“, klagt Marius Jung an. Zum Schluss seines knapp einstündigen Referates spielt er aktuelle Werbeblocks ein, die zum Thema „struktureller Rassismus“ geradezu sensationelle Entgleisungen enthalten. „Rassismus gibt es schon lange, aber heute wird er gefilmt“, lautete sein knapper Kommentar. Am Ende war dann auch der Schirmherr Hermann Gröhe zugeschaltet, der zunächst Internetprobleme hatte. Er unterstrich den Satz, mit dem Marius Jung seinen Vortrag begonnen hatte: „Respekt ist, voller Empathie unser Gegenüber zu betrachten.“