Beim Literarischen Sommer las Ronny Tomiska im Büro der neuen RLT-Intendantin

Literarischer Sommer in Neuss : Erste RLT-„Premiere“ im Intendantenbüro

Beim Literarischen Sommer las Schauspieler Ronny Tomiska aus dem fünften Band des Romans „Das Büro“ von J. J. Voskuil.

Dem Raum merkt man noch an, dass er noch in Besitz genommen werden muss. „Es ist noch ein bisschen kühl und trist hier“, sagt auch die neue Intendantin des RLT, Caroline Stolz, deren erste offizielle Amtshandlung gewissermaßen die Freigabe ihres neuen Arbeitszimmers im Landestheater für ein kleines Publikum war.

Das war zu einer Lesung gekommen, der fünften in den vergangenen fünf Jahren Literarischer Sommer in Neuss, zwei stehen vermutlich noch an, dann sind die sieben Bände von „Das Büro“ des niederländischen Autors J.J. Voskuil durch. Nur wenige Hände gingen denn auch hoch, als Bibliotheksleiterin Claudia Büchel nach Ersthörern fragte – die meisten sind tatsächlich Wiederholungstäter.

Dass der Termin für den Neuling im Theater eine schöne Bühne war, lag auf der Hand. Die Intendantin und ihr Stellvertreter Alexander May nutzten sie zudem, um ein bisschen Werbung zu machen – und sich gleichzeitig zwar locker, aber dennoch ernsthaft zu präsentieren. Denn beide stecken in den Regievorbereitungen für die ersten Premieren: „Deswegen bin ich auch mehr auf der Probebühne als hier in diesem Raum“, sagte Stolz und wies auch amüsiert auf ihre Versuche hin, zumindest für den Anlass etwas Atmosphäre zu zaubern: „Mit Pflänzchen und Äpfeln.“ Das aber war nach kurzer Zeit schon vergessen. Denn der Schauspieler Ronny Tomiska, in Mönchengladbach am Theater tätig und durch die Lesungen dort „Büro“-erfahren, warf sich förmlich in den Text, ließ mit Stimme, Gestik und Mimik die Menschen rund um den wissenschaftlichen Beamten Maarten Koning sehr lebendig werden.

Es war, als ob Konings Kollegen Bart, Jaap oder dessen Frau Nicolien vor einem stehen, die Dialoge, die Maarten mit ihnen führt, sind so schräg und doch so wiedererkennbar, dass mancher Zuhörer sich erinnerte – zumindest nach dem Schmunzeln auf den Gesichtern der Zuhörer zu urteilen. Aber: Niemals gibt Voskuil seine Figuren der Lächerlichkeit preis, es sind halt nur – Menschen.

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