Neuss: Bei Strauss gehen die Lichter aus

Neuss : Bei Strauss gehen die Lichter aus

Nach der Insolvenz der Kaufhaus-Kette schließt auch die Filiale am Holzheimer Weg in wenigen Wochen. Die Mitarbeiter reagieren emotional.

Die Strauss-Filiale am Holzheimer Weg ist weihnachtlich geschmückt. Christbaumkugeln in Rot-, Gold- und Silbertönen blitzen zwischen allerhand Wohn-Accessoires auf und versprühen eine heimelige Atmosphäre. Das "Fest der Liebe" steht vor der Tür. Bei den Mitarbeitern ist von Besinnlichkeit jedoch nichts zu spüren. Es ist die letzte Weihnachtzeit, die sie als Angestellte der traditionsreichen Kaufhauskette erleben werden. Die Insolvenz bedeutet auch für die seit knapp 20 Jahren bestehende Filiale am Holzheimer Weg das Aus.

Insolvenz-Verwalter Dirk Andres hatte Anfang Dezember mitgeteilt, dass er den Geschäftsbetrieb "stufenweise einstellen und mit dem Abverkauf beginnen" werde. Das habe er den rund 670 Beschäftigten in den 57 Filialen und der Hauptverwaltung in Langenfeld mitgeteilt. Spätestens Ende Februar soll die letzte Niederlassung schließen.

Manuel Garcia steht zwischen Weihnachtsschmuck, Deko-Artikeln und Kleidungsstücken im Mittelgang seiner Filiale und hat Tränen in den Augen. Seit 31 Jahren ist er bereits für Strauss Innovation aktiv, hat die Kette mit aufgebaut und sie dementsprechend ins Herz geschlossen. Der 58-Jährige hat sich an das Leid gewöhnt, wie er sagt. Schließlich war der gestellte Insolvenzantrag Ende September bereits der dritte Mal binnen knapp drei Jahren. "Wir sind moralisch geübt", sagt Garcia sarkastisch. Vor seiner Zeit in Neuss leitete er 24 Jahre lang die Strauss-Filiale in der Düsseldorfer Altstadt, die im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Er als Chef hatte damals die Aufgabe, die Insolvenz-Nachricht an seine Mitarbeiter zu überbringen. "Man konnte nur noch heulen", erinnert er sich.

Nach derzeitigem Stand wird der Geschäftsbetrieb am Holzheimer Weg bis Ende Februar kommenden Jahres aufrechterhalten werden. "Das hängt davon ab, wie lange wir Miete und Gehälter bezahlen können", sagt Garcia. Mit dem Vermieter Aldi habe man sich darauf verständigt, dass man noch übers Jahresende hinaus die restlichen Waren verkaufen kann. Im Januar soll der Räumungsverkauf beginnen. Anderen Filialen - wie beispielsweise in Leverkusen - ist das nicht gelungen. Sie schließt bereits zum Jahresende.

Dann heißt es auch für Edeltraut Ritterbach Abschied nehmen. Die 60-Jährige hat sich bereits als arbeitssuchend gemeldet und blickt in eine ungewisse Zukunft: "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich bin 60 Jahre alt, mich nimmt doch kein Arbeitgeber mehr." Seit der ersten Stunde ist sie Teil des mittlerweile zehnköpfigen Strauss-Teams am Holzheimer Weg. "Die Filiale ist unser Zuhause. Jetzt fühlt es sich an wie amputiert. Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg", sagt Ritterbach. Zahlreiche Mitarbeiter hätten sich im Laufe der Jahrzehnte auf das Unternehmen eingeschworen - und es nun auf dem Arbeitsmarkt schwer, weil sie keine Erfahrung in anderen Betrieben gesammelt haben. An Motivation mangelt es der 60-Jährigen nicht: "Schließlich sichert jeder Monat, in dem ich hier arbeiten darf, meine Existenz."

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE