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Rhein-Kreis Neuss: Behörden rüsten sich für Ebola-Ernstfall

Rhein-Kreis Neuss : Behörden rüsten sich für Ebola-Ernstfall

Die beiden Neusser Kliniken und das Kreisgesundheitsamt sind auf Ebola-Verdachtsfälle eingestellt. Schutzanzüge liegen bereit, es gibt Pläne für einen Spezialtransport. Behandelt würden die Patienten in der Uniklinik Düsseldorf.

Das Zentrum der Epidemie ist über 5000 Kilometer entfernt. Doch seitdem Ebola-Fälle nicht mehr nur aus Westafrika gemeldet werden, sondern erste Kranke in Europa bekannt wurden, sind die Verantwortlichen besonders hellhörig. Auch in Neuss und im Rhein-Kreis. Dort bereiten sich die zuständigen Stellen seit Wochen auf den Ernstfall vor.

So hat die Bezirksregierung einen Erlass herausgegeben, wonach Asylbewerber aus Westafrika vorsorglich auf Fieber untersucht werden - eine Aufgabe, die Kreis und Stadt übernehmen. Und im Rhein-Kreis wird diese Woche ein Info-Server für Ärzte freigeschaltet. "Dort erfahren Mediziner, was zu tun ist, wenn ein Patient Symptome zeigt", sagt Dr. Michael Dörr, Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes.

Wie wahrscheinlich ist ein Ausbruch der Krankheit?

Laut Amtsarzt Dörr besteht kein Grund zur Panik. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Ebola zu uns kommt", sagt er. Dennoch treffe man Vorkehrungen.

Was ist Ebola, und wie sehen die Symptome aus?

Ebola ist eine Viruserkrankung. Übertragen wird sie durch Körperflüssigkeit. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und 21 Tagen, ein erstes Symptom kann wie bei einer Grippe hohes Fieber sein.

Wie sollten sich Patienten verhalten, die glauben, Ebola zu haben?

Auf keinen Fall sollte man eine Arztpraxis oder eine Klinik aufsuchen. Vielmehr sollten Patienten ihren Arzt oder ein Krankenhaus anrufen. Die Mediziner leiten dann die notwendigen Schritte ein.

Was passiert, wenn es einen Verdachtsfall gibt?

"Wir halten uns an die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes", sagt Amtsarzt Dörr. Und diese sehen unter anderem vor, Betroffene so schnell wie möglich zu isolieren. Gibt es einen Ebola-Verdacht, ist es wichtig, den Patienten in eine Klinik mit einer Sonder-Infektionsstation zu bringen. Davon stehen in NRW acht, die nächste vom Rhein-Kreis aus gesehen ist die Uniklinik Düsseldorf.

Wie läuft der Transport?

"Es sind spezielle Transportmaßnahmen notwendig", sagt Amtsleiter Michael Dörr. Für den Krankentransport stehen vier Sonder-Isolierungsfahrzeuge zur Verfügung.

Wie schützen sich Ärzte, Krankenpfleger und Fahrer?

Seit der SARS-Pandemie aus den Jahren 2002 und 2003, die damals weltweit rund 1000 Todesopfer forderte, verfügt der Rhein-Kreis über spezielle Schutzanzüge. Diese kämen auch bei einem Ebola-Verdachtsfall zum Einsatz, so dass das Infektionsrisiko für die Helfer minimiert würde.

Sind die Krankenhäuser im Kreis für Ebola-Patienten zuständig?

Im Kreis existieren vier Akutkrankenhäuser: die Kreiskrankenhäuser in Dormagen und Grevenbroich sowie die Neusser Kliniken Lukaskrankenhaus und Johanna-Etienne-Krankenhaus. Diese Kliniken sind nicht für die Behandlung von Ebola-Patienten ausgerüstet. Trotzdem bestehen Notfallpläne.

Wie würden die Kliniken im Ernstfall verfahren?

Im Lukaskrankenhaus würde ein Patient mit Verdachtssymptomen unverzüglich in die Uniklinik weitergeleitet. "Unsere Ambulanz ist darauf vorbereitet", sagt Professor Tobias Heintges, ärztlicher Geschäftsführer im "Lukas". Bis zum Abtransport würde der Patient in einem gesonderten Zimmer isoliert. Ein ähnliches Verfahren würde auch im Johanna-Etienne-Krankenhaus greifen. "Wir haben seit Ende der Sommerferien einen Ablaufplan", berichtet eine Sprecherin von den Vorsichtsmaßnahmen. So frage man Patienten mit Fieber grundsätzlich danach, ob sie in Westafrika gewesen seien. Würde diese Frage bejaht, würde der Betreffende, wie im Lukaskrankenhaus, umgehend isoliert und nach Düsseldorf gebracht. Einen solchen Fall hat es aber in Neuss noch nicht gegeben.

(NGZ)