Bea von Malchus mit "Queens" beim Shakespeare-Festival

Shakespeare-Festival im Globe Neuss : Kraftwerk für Shakespeare

Mit dem Stück „Queens“ begeistert Bea von Malchus die Zuschauer im Globe. Die Vorstellungen sind allesamt ausverkauft.

Ganz im Zeichen eines Ausfluges in die Geschichte der Shakespeare-Zeit steht die jüngste Premiere beim Festival im Globe: Bea von Malchus zeigt ihr neues Stück „Queens! You can’t always get what you want!”, beim vierten Besuch der blaublütigen Freiburgerin (59) in Neuss. Bereits mit ihren One-Women-Shows „Shake Lear“ und „Heinrich VIII.“ hatte sie das Neusser Festival beglückt. Ihre Intention: Nur dann ist die Bedeutung der Werke und Gedichte Shakespeares wirklich zu verstehen, wenn wir ihn in seinem ursprünglichen historischen Kontext sehen.

Darauf konzentriert sich auch Vanessa Schormann in ihrer Einführung. Während der Regierungszeit von Elizabeth I. (1558 – 1603), der „guten Königin Bess“, hatte Shakespeare vorwiegend Stücke geschrieben, die den Optimismus des elisabethanischen Zeitalters widerspiegeln. Unter der turbulenten Herrschaft James I. (1603 – 1625) wurden seine Werke düsterer, so wie „Macbeth“ (1606) und „King Lear“ (1605). Zu den leidenschaftlichsten „Royals“ jener Zeit gehörten neben Heinrich VIII. Queen Elizabeth I. und die schottische Königin Maria Stuart.

Sie sind die zentralen Figuren, die Bea von Malchus in ihrem Solo-Theaterabend im Globe zum Leben erweckte – und wie! Auf ihrem Barhocker sitzend verwandelt sie Shakespeares Welt geistreich und scharfzüngig, gelegentlich unflätig. Auf der Bühne wird sie zum spielenden, extensiv gestikulierenden und einige Male wunderschön singenden Kraftwerk.

Ein kleines Bühnenbild (Franziska Kaiser) umrahmt den Barhocker, auf dem sie unentwegt sitzt, ein zweigeteiltes Kostüm (Sarah Mittenbühler) hilft bei der Interpretation der Figuren. Den musikalischen Rahmen und (leider nur) vier Songs verantwortet Sascha Bendiks. Bea von Malchus singt prima, etwa in dem Liebeslied „Ich sing Euren Namen, Amen!“, mit dem Maria Stuart ihren zweiten Ehemann Lord Darnley umgarnt. Aber: „Drei Monate nach der Hochzeit ist Rosamunde Pilcher abgereist.“  Auch in ihren Liedern kann Bea von Malchus garstig sein. Jane Seymour, die dritte Frau Heinrichs VIII., ist bei ihr nur der „Tittensittich“. Die Heimat Maria Stuarts, Schottland, wird brutal übel charakterisiert: „Hier kotzt das Schicksal in die Schuhe!“ Überwiegend verführen aber heitere Bezüge zum Lachen, besonders die vielen aktuellen Erläuterungen. Als der „fette Heinrich“ seine vierte Frau verlor, „loggte er sich bei Parship ein“.

Die Kommunikation im Globe ist unmittelbar: „Wir kommen mit dem Stoff nicht durch, wenn Ihr andauernd lacht!“, sagt sie und so gelingen auch Überleitungen: „Während Ihr in der Pause wart, ist Elizabeth I. triumphal in Westminster gekrönt worden.“ Da das Programm nicht nur für Bea von Malchus, sondern auch für das Publikum eine Herausforderung ist, mahnt sie: „Guckt nicht so tot, Kinder, denkt doch mal ein bisschen mit!“

Die Geschichte endet blutig. Den Kampf um den britischen Thron entscheidet Elizabeth I. für sich, Maria Stuart wird 1587 hingerichtet. Und da Bea von Malchus gerne historische Tatsachen mit frei erfundenen Erzählungen ausschmückt, ist der Henker ein Praktikant, der erst beim dritten Streich den Hals trifft. Die grandiose Erzählerin verabschiedet sich von ihren Zuschauern: „Es begann wie im Märchen und landete im Gruselpark. Sorry, Kopf hoch!“

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