1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Bauverein schüttet Million aus

Neuss : Bauverein schüttet Million aus

Die positive Nachricht des Neusser Bauvereins hat auch eine Schattenseite: Jeder Interessent muss zwei Jahre auf eine Wohnung warten, da es kaum Leerstand gibt. Der Bürgermeister fordert die Politik zur Lösungsfindung auf.

Die Bilanz, die der Neusser Bauverein aus dem Jahr 2011 gezogen hat, ist positiv. "Wir haben einen Überschuss von 1,444 Millionen Euro erwirtschaftet", berichtet Vorstandsvorsitzender Frank Lubig.

"Das ist ein leichtes Plus von rund 89 000 Euro im Vergleich zum Vorjahr." Weitere gute Zahlen folgen: Ein Gewinn von 1,122 Millionen Euro bringt eine Dividende von 6,9 Prozent, die Bilanzsumme liegt bei rund 399 Millionen Euro. Von den 6864 Wohnungen, die der Bauverein sein Eigen nennt, stehen de facto nur 20 leer — das sind gerade einmal 0,7 Prozent — und die Nachfrage ist riesig. "Allein am Donnerstag hatten wir 200 Interessenten, die eine Wohnung suchen", sagt Lubig, der das als gutes Zeichen für den Standort wertet: "Viele wollen nach Neuss."

Und genau da kommt die Schattenseite der eigentlich guten Nachricht ins Spiel: Wer eine Wohnung des Bauvereins beziehen will, muss mit einer Wartezeit von zwei Jahren rechnen. "Das ist es, was mir Sorgen macht: die Leerstandsqoute von 0,7 Prozent", erklärt Bürgermeister Herbert Napp, der Aufsichtsratsvorsitzende des Bauvereins. Dessen Wohnungen sind unter anderem so begehrt, weil der Mietpreis mit 4,80 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem Mietspiegel der Stadt (etwa sieben Euro) liegt.

Napp: "Die Wartezeit ist in den vergangenen zwei bis fünf Jahren deutlich gestiegen. Die Nachfrage ist hoch und Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen der Menschen. Wir können aber nur sozialen Wohnbau betreiben, wenn wir auch die Grundstücke dazu haben." Deshalb ergänzt er: "Es ist die Aufgabe des Rates, Baulandflächen auszuweisen, damit wir die Nachfrage befriedigen können. Ich appelliere an die Politik, dafür zu sorgen."

Denn trotz abgeschlossener Großprojekte wie am Marianum oder in Erfttal und einer positiven Bilanz will sich der Bauverein "nicht auf den hervorragenden Eckdaten ausruhen", wie es Lubig nennt. "Wir haben keine Langeweile, wir haben noch viel vor." Die Ziele für das laufende Jahr sehen eine ähnliche Investitionssumme wie in 2011 vor: rund 33 Millionen Euro. "Bis 2016 wollen wir 150 Millionen Euro in unseren Bestand und Neubauten investieren. Rund 500 Einheiten sind in der Planung und Umsetzung", sagt Lubig, der es unter anderem als "großes Vorhaben" beschreibt, das Werhahn-Areal "städtebaulich zu entwickeln". Lubig ergänzt: "Diese hohen Investitionen sind nicht üblich, aber wir wollen nicht nur verwalten, sondern aktiv in die Stadt investieren." Dazu zählen nicht nur Neubauten oder Modernisierungen bestehender Objekte, sondern auch etliche soziale Projekte des Bauvereins.

(NGZ/rl)